Kathy, Ruth und Tommy sind beste Freunde. Gemeinsam wachsen sie in Hailsham auf, auf den ersten Blick ein Internat, dessen Idylle jedoch nur trügerischer Schein ist. Die Kinder, die dort aufwachsen, verstehen sich selbst nicht als Teil der Menschheit – wie auch, wird ihnen doch von Beginn an, in Einrichtungen wie Hailsham, tagtäglich beigebracht, dass sie “gemacht” sind, um eines Tages als Organspender zu agieren. Die drei wachsen heran, kommen vom Internat auf einen Bauernhof und laufen mit immer schnelleren Schritten auf das Leben – und vielmehr auf das Ende dieses Lebens hin, welches ihnen von Anfang an vorher bestimmt war. Auf diesem Weg durchleben die Drei die Freundschaft und Liebe, ebenso wie Eifersucht, Hass und Verrat. Aus innigem Zusammenhalt wird alsbald tiefe Zerstrittenheit…Und als die Versöhnung naht, ist es doch schon zu spät. Zu kurz ist das Leben…
Ist es nicht gut zu wissen und zu sehen, dass das Kino noch jene emotionale Kraft haben kann, für die man es einstmals bewunderte? Gerade vor dem aktuellen Hintergrund, da zunehmend 3D die Qualitäten des Kinos auf rein optisch-visuelle Ebenen verlagert und alles andere vernachlässigt wird und – auch ohne 3D – Filme, wie “The Mechanic” die Sinnlosigkeit amerikanischer Großproduktionen eindrucksvoll zur Schau stellen, wirkt “Never let me go”, wie “Alles, was wir geben mussten” im Original heißt, wie ein Leuchtturm der Kinematographie.
Es ist zudem sicherlich ein absoluter Glücksgriff, das Mark Romanek die Regie für diesen Film übernommen hat. Er selbst hat Johnny Cash mit der Regie beim Videoclip zum Titel “Hurt” noch zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt, dass auch nach dem 50. Ansehen noch zu Tränen rührt. Ganz ohne Rasanz, Verfolgungsjagden und Explosionen schafft es dieser Film von Anfang an, sein Publikum mitzunehmen, gerührt zu sein – man ist betroffen von all der Traurigkeit und gleichsam der Hoffnung, die dieser Film vermittelt. Von Beginn an weiß man als Zuschauer vom Schicksal der Kinder in Hailsham und merkt nur allzu schnell, worum es in diesem Film eigentlich geht: Es ist nicht das Science-Fiction-Element, das diesem Film lediglich als Grundkonzept für die Handlung dient, hier geht es letztlich um nichts geringeres als das Leben selbst. Und dies betrifft nicht nur die drei Protagonisten des Films in ihrem vorher bestimmten Weg, dies betrifft uns alle. So kommt man nicht umhin, früher oder später während des Films die Gedanken auch um das eigene Leben kreisen zu lassen.
Und letztlich, im rührenden Plädoyer von Kathy am Ende des Films, wird ohnehin deutlich, dass sich jeder angesprochen fühlen sollte. Kathy ist froh und stolz auf das Leben, das sie hatte, auf die Freunde, die sie gefunden hat und die Liebe, die sie erleben durfte. Gleichsam bereut sie die Zeit des Streits mit denen, die ihr am Wichtigsten waren und sind. 10 Jahre hat sie dabei verloren…Wir alle müssen irgendwann sterben, doch das Leben ist nicht zu kurz, es kommt darauf an, was man daraus macht, solange man die Möglichkeiten dazu hat. So kann und muss man sich nach diesem fabelhaften, eindrucksvollen Film auch selbst wieder daran erinnern, denjenigen, die man liebt und schätzt dies hin und wieder auch mal zu sagen.
“Alles, was wir geben mussten” startet am 14. April in den deutschen Kinos.