Erzähl mir was Neues! Hollywood steckt in der Krise. Nein, nicht unbedingt die Finanzkrise, zumindest aber nicht nur diese Krise. Vielmehr weiß die Welt seit Jahren schon von der Krise der Kreativität, vom Ausbleiben der Ideen in Hollywood. Technisch macht denen keiner was vor, keine Frage. Was aber dabei herauskommt, wenn die Maschinen einen “Film” machen, sieht man am Beispiel von “Transformers”. Man ist geneigt, hier schon nicht mehr von einem Film zu sprechen, so toll sind die Bilder und so wenig hat all dies dann schlussendlich noch mit Filmen zu tun. War gerade noch die Rede davon, dass die Welt um die mangelnde Inspiration in Hollywood weiß, muss jedoch korrekterweise gesagt werden, dass nicht Alle von diesem Manko etwas mitbekommen haben: Das Kinopublikum geht ja – unkritisch, nicht hinterfragend und offensichtlich ohne großartige Ansprüche – schön brav weiter ins Kino: in Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, das Remake, das Prequel, und natürlich alle Reloads, die da noch so kommen mögen. Warum also Ausschau nach neuen, frischen Ideen halten, wenn man die alte Kuh munter weiter melken kann. Die Krise beginnt nicht in Hollywood, sie beginnt beim Publikum an den Kinokassen.
Gerade in Sachen Remakes ist dies ja immer so eine Sache. Grundsätzlich kann man ja über die Notwendigkeit eines jeden Remakes streiten. Wenn es ein Film zu solch zweifelhaften Ehren, wie eines Remakes schafft, dann scheint er als Original offenbar nicht ganz schlecht zu sein, denn an Schlechtes wagt man sich in Hollywood schlichtweg nicht heran. Wenn das Original aber schon derart gut ist, wieso dann Alles noch einmal drehen? Diese Frage bleibt im Raum, bei jedem Remake und kann auch heute und hier nicht beantwortet werden. So gibt es dann auch kaum nennenswerte Remakes, die ihrem Original das Wasser reichen können. Wenn sie doch wenigstens so gut wären, wie ihre Vorlage – doch meißtens noch nicht einmal das. Es gibt Ausnahmen, quasi Leuchttürme des Remake-Genres; so zum Beispiel “The Ring” in der US-Version toll umgesetzt mit Naomi Watts, oder Spielbergs “Krieg der Welten”. Beide Remakes können der Originalvorlage durchaus noch Etwas hinzufügen und verschaffen sich damit in gewisser Weise ihre ganz persönliche Daseinsberechtigung.
Ein großes Thema daher seit Jahren in den USA: asiatische Klassiker neu zu verfilmen. So hat es denn mit dem “Fluch der zwei Schwestern” den koreanischen Überraschungserfolg (wieso eigentlich überraschend, denn so gut wie dieser Film ist, darf Erfolg doch keine Überraschung mehr sein?!) “A Tale of Two Sisters” von Ji-Woon Kim aus dem Jahr 2003 erwischt, anders kann man es nicht ausdrücken. Grundsätzlich scheint es so, als wären die Guard-Brüder, die die Regie des Remakes übernahmen, durchaus gewillt gewesen, neue Wege zu gehen und die Vorlage vielmehr als inspirierende Einladung für eine sich daraus entwickelnde, eigene Geschichte anzuerkennen. Am Ende bleibt aber ein schlichter Abklatsch des Originals der dieses einfach bei Weitem nicht erreichen kann. Zuviele Fehler wurden gemacht – wissentliche Fehler wohl auch, um aus dem ansprechenden und nicht immer leicht verständlichen Original eine massentaugliche Stangenware zu zaubern. Zumindest dies ist den Brüdern hinter der Kamera vernünftig gelungen.
Der Film wirkt, als versuche er vorsätzlich sämtliche Stärken des Originals zu beseitigen und durch Hollywood-typische Erzähl- und Stilelemente zu ersetzen. Die Story, gleichwohl sie relativ nah am Original angesiedelt ist, schafft es einfach nicht, das Bedrohliche, das Unheimliche, das Beklemmende der koreanischen Ur-Version nachzuempfinden. Massgeblich liegt dies (mal wieder) auch am Ton. Wann begreift Hollywood endlich, dass sich mit Stille soviel mehr Angst auf der Leinwand erreichen lässt, als mit permanentem, pseudo-gruselig-atmosphärischem Gedudel auf der Tonspur? Bresson hat es doch immer schon gesagt: “Der Tonfilm hat die Stille erfunden”, wieso kommt man in den großen Studios nicht auf Idee, die Stille als DAS Geräusch der Angst zu akzeptieren? Man hätte vielleicht nur mal das Original aus Korea richtig anschauen sollen und sich von eben dessen Ruhe und Musiklosigkeit in seinen Bann ziehen lassen, bevor man wieder ohne Sinn und Verstand nahezu jeden Frame des Filmstreifens doppelt und dreifach mit Sound zukleistert, bis man vor lauter Ton nichts mehr sieht.
Doch es liegt nicht allein am Ton, dass beim Remake einfach nicht die zwingend benötigte Stimmung aufkommen will. Einmal mehr versuchen sich die allesamt miserabel agierenden Darsteller derart überzeichnet in ihrer Rolle ins Bild zu rücken, dass das Schauspiel eher an die ebenso völlig an der Realität vorbeiziehenden Darstellungen einer Daily-Soap erinnern. Aber dies hier sollte doch eigentlich großes Kino werden. Wieso konnten die Regisseure, immerhin waren sie sogar zu zweit und damit doppelt so Viele, wie sonst an einem Set üblich, nicht einschreiten und ihren Darstellern sagen, dass weniger oft – und gerade unabdingbar in diesem Film – mehr ist?
So bleibt auch die eigentliche Idee des Films, dieses den Magen verdrehende, schwindelerregende, überraschende und völlig ungeahnte Ende des Originals bereits im Ansatz stecken. Denn die überzeichneten Charaktere tun ihr Bestes, um eben diese eigentlich überraschende Auflösung des Films bereits viel zu früh mitzukommunizieren. Ein Film, der sein eigenes Ende schon so früh verrät, kann nur verlieren. Einmal mehr lohnt es sich, auch bei diesem neuen Remakeversuch, das Geld fürs Kino zu sparen und lieber gleich die DVD mit dem Original “A Tale of Two Sister” zu leihen – nein, besser gleich kaufen.