Vorsicht vor HD+ und CI+

Aus aktuellem Anlass soll an dieser Stelle ein Hinweis auf aktuelle Pläne zum Start der hochauflösenden Fernsehprogramme der privaten Sender der RTL-Gruppe, sowie der Pro7Sat1-Media Ag erfolgen. Pro7 und Sat.1 waren vor einiger Zeit bereits auch hochauflösend über den Satellit Astra zu empfangen. Mangels entsprechender Verbreitung von HD-fähigen Endgeräten auf Konsumentenseite, wurden die Programme inzwischen jedoch wieder abgeschaltet.

In diesem Jahr sieht dies schon etwas anders aus: Sky hat nach dem Relaunch des ehemaligen Premiere-Angebots derzeit schon sieben HD-Kanäle in seinem Angebot. Und ARD und ZDF sind zur Leichtathletik-WM und aktuell während der IFA mit ihren Hauptprogrammen “Das Erste HD”, “ZDF HD” und “EinsFestival HD” und strahlen jede Menge natives HD-Material aus. Zudem ist arteHD bereits seit längerem im Regelbetrieb. Erwähnt wird dies hier auch, da man so inzwischen auch frei empfangbar Filme in hochauflösender Qualität sehen kann. So lief vor kurzem Woody Allens “Scoop” in HD auf dem ZDF, heute abend kann man “Zusammen ist man weniger allein” auf “EinsFestival HD” bestaunen.

Der Markt hat offenbar an Fahrt aufgenommen, und so passte es gut, dass auch RTL überraschend angekündigt hatte, noch im Herbst im neuen Standard senden zu wollen. Der Preis ist jedoch hoch, den es dafür zu zahlen gilt – so wird der Endnutzer, die Zuschauer also, dafür zur Kasse gebeten. Kurz nach der Ankündigung von RTL folgte auch das Signal aus Unterföhring, Pro7 und Sat.1 ab dem kommenden Jahr wieder in HD ausstrahlen zu wollen. Während dies bei ARD und ZDF kein Problem darstellt, da man auf der inzwischen recht gut verbreiteten HD-Technik der Konsumenten empfangen werden kann, entscheiden sich die Privaten für den Faustschlag mitten ins Gesicht derjenigen, die zuletzt die einzig treibende Kraft in dem ansonsten von Industrie und TV-Anbietern gegenseitig blockierten HD-Markt waren. Man setzt mit HD+ und der dahinter stehenden Verschlüsselungstechnik CI+ auf ein völlig neues Verfahren, was vom Großteil der aktuell in deutschen Haushalten befindlichen HD-Technik nicht unterstützt wird. Die gerade erst angeschaffte Technik müsste im Zweifelsfall durch die neue CI+-taugliche Technik ersetzt werden.

Dies allein ist hier jedoch noch nicht mal das Schlimmste. Viel schwerer wiegen die gravierenden Veränderungen, die damit in der deutschen Fernsehlandschaft einher gehen würden. Die Privaten wollen ihr hochauflösenden Signal fortan verschlüsseln und nur noch gegen ein, wenn auch nur geringes, monatliches Entgelt verkaufen. Auch wenn man es bei RTL und Co. nicht gern so nennen möchte, aber aus Free-TV wird dann zweifelsohne Pay-TV. Ähnliches wurde schon mit der inzwischen gescheiterten Plattform Entavio versucht, mangels Kundeninteresse wurde dieses Projekt aber inzwischen eingestellt. Dies mag dabei dazu ermutigen, einen Boykott von den Konsumenten ausgehend auch dieses Mal zu unterstützen. Denn mit jedem verkauften HD+/CI+-Receiver steigen die Chancen auf den Erfolg des neuen Systems. Dabei gibt es jedoch noch weitaus mehr Gründe, warum die neue Plattform abgelehnt werden sollte, als die Zahlungsforderungen der privaten Sender.

CI+ bedeutet einen massiven Einschnitt in den bisher etablierten, digitalen Luxus, den man sich mit der neuen Fernseh- und Receiverwelt eröffnet hat. Wer einen Receiver mit einer Festplatte zu Aufnahmezwecken besitzt, der nach den Regeln von CI+ betrieben wird, hat alsbald keine Besitzansprüche mehr an seine, ihm rechtlich zugestandenen Privataufnahmen von Fernsehprogrammen. Die Sender können entscheiden, ob die Werbepausen in einem aufgezeichneten Film noch überspult werden dürfen. Und RTL und Pro7Sat1 haben schon angekündigt, davon gern auch Gebrauch zu machen. Stichwort “TimeShift”: Bislang das gern angeprießene Feature neuer Receiver, könnte alsbald so nutzlos werden, wie eine leere Batterie. CI+ macht es möglich Timeshift für bestimmte Sendungen ganz zu verbieten, oder aber nur für eine gewisse Aufnahmezeit zuzulassen. Die Aufnahmen selbst sind zudem keine sichere Kopie für die Ewigkeit mehr. RTL und Co. können dann entscheiden, wie lange die Aufnahme eines Films genutzt werden kann, bspw. nur 48 Stunden, oder aber wie oft man sich den Film ansehen kann, bevor er automatisch wieder gelöscht wird. Schöne Neue Welt.

Nachdem nun heute morgen im ARD Morgenmagazin einmal mehr ein völlig uninformierter “Experte” zu HD+ geraten hat, ist es an der Zeit, so präzise und ausführlich über die mehrheitlich überwiegenden Nachteile von HD+ zu informieren. Denn nicht nur im Fernsehen, auch in den etablierten Großmärkten wird der Lobbyismus alsbald um sich greifen, und man wird nachplaudern, was die Industrie, die Sender und Astra gern über HD+ verbreitet wissen wollen. Der unwissende Kunde, der einfach nur gern hochauflösendes Fernsehen haben möchte, könnte so ungewollt zum unfreiwilligen Unterstützer eines Standards werden, der aus Konsumentensicht keineswegs so gewollt sein kann.

Das Argument, dass die Privaten schließlich ihren Werbekunden auch zukünftig ein attraktives Umfeld bieten müssten und daher das Ansehen der Werbung auf diese Weise garantiert werden könnte, ist dabei schnell zu entkräften. Denn wenn der Konsument, so wie jüngst erst bei Entavio deutlich macht, dass er an diesem Standard kein Interesse hat, dann werden die Privaten bald feststellen müssen, dass es auch der Werbeindustrie nichts nützt, wenn deren Werbung zwar nicht mehr weggespult werden kann, jedoch keine Konsumenten mehr da sind, die die privaten Sender überhaupt empfangen. Es liegt in den Händen des Zuschauers, RTL zu verdeutlichen, dass man sich mit seinem Programm, sollte es verschlüsselt und unter diesen Bedingungen ausgestrahlt werden, bald von seinen 16 % Marktanteil verabschieden kann.

Der folgende Beitrag aus der ZDF Sendung WISO zeigt noch einmal auf, wieso es unbedingt notwendig ist, diesem Zwang der Industrie entschieden durch Nicht-Kauf entgegen zu treten. Das hochauflösende Fernsehen in Deutschland wird darunter nicht leiden, sondern sogar noch gefördert werden.

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  1. By Anonymous on 14/06/2010 at 16:32

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