Illuminati (Angels & Demons)

Am CERN, wo der große Teilchenbeschleuniger LHC gerade seiner Arbeit aufgenommen hat, gelingt es den Wissenschaftlern, erstmals Antimaterie in großen Mengen herzustellen. Doch kurz nach dem Experiment wird ein Teil dieser Antimaterie entwendet. Wenig später taucht diese wieder auf, als Bombe, die den gesamten Vatikan bedroht. Als Urheber der Tat geben sich die “Illuminati” zu erkennen. Prof. Langdon wird nach Rom bestellt, um der Vatikan-Polizeit und der Schweizer Garde bei der Suche nach den Illuminati zu helfen. Die Zeit drängt, denn vier Kardinäle sind entführt worden. Zu jeder vollen Stunde soll einer von ihnen vor den Augen der Öffentlichkeit hingerichtet werden, bevor um Mitternach die Antimaterie-Bombe den Vatikan dem Erdboden gleichmachen soll…

Es ist die zweite Verfilmung eines Dan Brown-Romans nach “Sakrileg-The DaVinci Code” und erneut hat Ron Howard im Regiestuhl Platz genommen. Nach dem großen Hype um den DaVinci-Code im Jahr 2006, den Howard vor allen Dingen der Kirche zu verdanken hatte, die zum weltweiten Boykott des Films aufgerufen hatte, war es diesmal erstaunlich still um die Fortsetzung, wenn man “Illuminati” so bezeichnen will. Gleichwohl ging der Vatikan auch dieses Mal wieder auf die Barrikaden, um den Film nach Möglichkeit gar unmöglich zu machen. So wurde erwartbarerweise keine Drehgenehmigung im Vatikan erteilt und man versuchte gar, Einfluss auf die Behörden zu nehmen, damit der Film kein römisches Gotteshaus auch nur im Hintergrund zeigen konnte. Howard musste also auf Modelle und computer-animierte Kirchenhäuser zurückgreifen, um den Vatikan in seinem Film zu zeigen. Kein guter Einstieg für einen Film, der ausschließlich im Vatikan spielen soll.

Dies wirft so dann auch das Gros der Kritik dem Film vor und tatsächlich haben all diese Kritiken nicht ganz unrecht, wenn bemängelt wird, dass man dem Film und seinen Bildern ansieht, dass sie nicht “On Location” – vor Ort also – gedreht wurden. Andererseits muss man Howard aber hier eher Respekt zusprechen. Denn dafür, dass der Film eben nicht direkt im Vatikan gedreht wurde, sieht doch Alles schlussendlich glaubwürdig aus und schadet dem Film nicht unbedingt. Überhaupt ist der Film besser, als es die Kritiken erwarten lassen und auch besser, als man es nach dem durchaus schwächeren “Sakrileg” hätte erwarten können. Die inzwischen erhätliche 174 Minuten lange DVD Version vom “DaVinci Code” wirkt zuweilen wie langgezogener Kaugummi. “Illuminati” ist mit seinen 140 Minuten Laufzeit zwar auch überdurchschnittlich lang, wirkt in seiner Erzählweise jedoch absolut kurzweilig. Gekonnt legt der Film ohne große Umschweife direkt los und vermag dieses angenehme Erzähltempo bis zum Schluss durchzuhalten. Selten erlebt man Blockbuster wie diesen, die so gekonnt mit Geschwindigkeit umgehen können. Es geht stets voran, die Handlung kommt niemals zur Ruhe und doch ist man weit davon entfernt, in zu große und störende Hektik zu verfallen.

Die Kameraarbeit ist nahezu brilliant. Die Szenen am CERN, gleich zu Beginn, warten mit wunderbaren Kamerafahrten auf, die ihre volle Kraft auf der Leinwand entfalten können. Auch sonst vermag die Kamera die einzelnen Sets wunderbar einzufangen. Interessant ist hierbei, dass oftmals auf Establishing Shots verzichtet wurde. Vielmehr bleiben Tom Hanks und seine Mitstreiter stets im Zentrum des Bildes, währen die Kamera um sie herum in Kreisbewegungen die Örtlichkeiten einfängt. Die hier eingesetzte Steady-Cam vermag dabei schlichtweg tolle Bilder in Bewegung einzufangen. Ein Lob gilt diesmal auch Tom Hanks, der sich in diesem Film erstaunlich zurückhält und damit dem Film sehr dienlich ist.

Leider hat Regisseur Howard im Bezug zur Musik kein so glückliches Händchen bewiesen, wie bei der Wahl des Kameramanns. Wenn man Hans Zimmer als Musiker für einen Film verpflichtet, muss man damit rechnen, dass dieser dann, seinem Ruf entsprechend, ziemlich dick aufträgt. Den Ausspruch “weniger ist of mehr” scheint OSCAR-Preisträger Zimmer jedoch nicht zu kennen. Zimmer kleistert die Bilder wahrhaft zu mit seiner Musik, viel zu dramatisch trällert es da nahezu über die gesamte Laufzeit des Filmes unentwegt auf der Tonspur in den Kinosaal hinein. Das ist hier wirklich zu viel und ist oftmals schlichtweg deplatziert. So versucht Zimmer offensichtlich, einige Bilder dramatischer zu machen, als diese es tatsächlich sind. Vielleicht hätte man hier weniger auf einen Namen, wie Hans Zimmer, setzen sollen und stattdessen lieber einen Profi verpflichtet…

Neben diesem Störfaktor auf der Tonspur gibt es aber auch noch einen Störfaktor auf der Bildebene: Ayelet Zurer in der Rolle der CERN-Wissenschaftlerin Vittoria Vetra. Sie scheint irgendwie von Allem ein bisschen zu sein: Teilchenphysikerin, Kunsthistorikerin, Biologin, Medizinerin…kurzum: ihr fachliches Auftreten in nahezu allen Fragen, die innerhalb der Narration auftauchen, wirkt dann doch etwas zu perfekt für einen einzelnen Menschen und lässt die gesamte Figur daher etwas fragwürdig, um nicht zu sagen unglaubwürdig, erscheinen. Ohnehin muss man sich irgendwie die ganze Zeit über fragen, wieso Vittoria unentwegt überall mit hingezerrt wird. Will man von diesen kleineren Fehlern im Film aber mal absehen, bekommt man eine toll inszenierte, spannende Schnitzeljagd durch Rom zu sehen, welche in ihrer zurückgenommenen, bescheidenen Art deutlich besser gelungen ist, als der groß angelegte, schließlich aber doch eher enttäuschende Vorgänger “Sakrileg”.

Daneben muss man dem Film aber seine ungeheure Treffsicherheit für sein Erscheinen noch zugute halten. Wir schreiben das Jahr 2009, hierzulande das Jahr der Astronomie, denn vor exakt 400 Jahren war es Galileo Galilei der eher zufällig im Jahr 1609 eine kaum beachtete Erfindung aus den Niederlanden erhielt: das Fernrohr. Er setzte es jedoch nicht so ein, wie einige Andere vor ihm auch, um weit entfernte Dinge auf der Erde durch das Fernrohr hindurch zu betrachten: Galilei drehte das Fernrohr einfach Richtung Himmel und was er beobachtete, sollte kurz danach das bisherige Weltbild grundlegend revolutionieren. Da passt es doch ganz gut, wenn 2009, das Jahr in dem auch Galilei bedacht wird, ein Film erscheint, der auch dort seine Wurzeln ansetzt. Das entsprechende Buch Galileis – “Sidereus Nuncius” – wird dementsprechend mehrfach auch im Film erwähnt. Und mehr noch: Es ist erstaunlich, dass sich Autor Dan Brown bereits beim Schreiben seines Buches “Angels und Demons” vor (mindestens) mehr als 6 Jahren dafür entschied, das CERN in die Geschichte einzubauen. Der Teilchenbeschleuniger war damals sicherlich schon im Bau, richtig (Medien-)präsent wurde er aber erst im letzten Jahr mit seiner Fertigstellung (und dem direkt anschließenden Defekt, der den LHC bis zum Herbst diesen Jahres wieder ausser Kraft gesetzt hat). Wenn Alles nach Plan verläuft, wird das CERN erneut für Schlagzeilen sorgen, wenn dann im September 2009 erneut der Regelbetrieb in Genf gestartet werden soll. “Illuminati” ist dabei 2009 ein ungleich zeitgemäßer, aktueller Film, der allein durch diesen Bezug zum CERN schon interessant und sehenswert ist.

Wer “Sakrileg-The DaVinci Code” mochte, sollte sich von den schlechten Kritiken zu “Illuminati” nicht abschrecken lassen und auch diesem Film eine Chance geben. Wer “Sakrileg” nicht mochte, der sollte noch vielmehr “Illuminati” eine Chance geben, ist dieser doch tatsächlich der zwar “kleinere”, aber eben feinere Film von beiden.

ot

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