John Carpenter´s “The Ward”
Ist Vorsicht geboten? Lange hat Altmeister Carpenter, nichts mehr von sich hören, oder besser gesagt sehen lassen. Sollte dies dann jetzt wieder nur einer dieser unsäglichen Hollywood-Versuche sein, einen B-Movie mit einem großen Namen als Presenter zu promoten, nur um finanziell nicht völlig unterzugehen? In diesem Falle nicht: Tatsächlich ist “The Ward” Carpenters erster Langspielfilm seit zehn Jahren und er zeigt, dass er das Genre (welches eigentlich, denn hier regiert der Genremix) wunderbar beherrscht.
Kristen wird vor einem brennenden Haus aufgegriffen und in eine psychiatrische Klinik gebracht. Sie kann sich offenbar an nichts mehr erinnern. Warum hat sie das Haus angezündet, was ist in ihrer Vergangenheit vorgefallen und hat jenen Menschen aus ihr gemacht, der nun in der Psychiatrie gelandet ist. All diese Fragen werden zu Beginn gestellt und erwecken einiges an Erwartungen und Vermutungen beim Zuschauer, doch es kommt, erstaunlicherweise ganz anders.
Schon bald wird klar, dass die Psychatrie irgendetwas zu verbergen hat – ist Kristen möglicherweise gar die einzige Normale im gesamten Gebäudekomplex. Zunehmend verwirrender und kaum mehr nachvollziehbar sind sämtliche Handlungen und Dialoge nahezu aller Beteiligten im Krankenhaus – Patienten und Personal wirken befremdlich…was geht hier vor?
Mehr zu erzählen, wäre dramatisch, denn wie schon gesagt: So abgegriffen und kopiert die gesamte Thematik auch wirkt – Carpenter schafft es, seinen Plot so zu gestalten, dass man als Zuschauer ebenso verwirrt und ratlos bleibt, wie Kristen in der Anstalt. Gemeinsam muss man sich mit ihr auf den Weg begeben, um das Geheimnis um die Anstalt zu lüften und man entfernt sich dabei von der Antwort immer weiter, als das man ihr näher kommen könnte.
Stylistisch weiß Carpenter einmal mehr sein Können unter Beweis zu stellen. Natürlich ist es das riesige, unheimliche und dunkle Gebäude, welches ebenso als ein wesentlicher Darsteller in “The Ward” agiert – und Carpenter weiß, wie Licht und Kamera eingesetzt werden, um diese schauerliche Atmosphäre von Anfang bis Ende konsequent aufrecht zu erhalten. Zu den Charakteren – Haupt- und Nebendarsteller – kann an dieser Stelle nicht viel gesagt werden. Tatsächlich lassen sich einige Kritiken im Netz, wie bspw. diejenige von Filmstarts.de finden, die mangelnde charakterliche Tiefe vermissen und das schwache Script bemängeln. Offenbar hat der Autor jener Kritik den Film dann nicht wirklich verstanden, denn die Darsteller (ausnahmslos alle Darsteller) können gar nicht anders, als ohne wirkliche Profiltiefe auskommen, alles Andere würde die gesamte Narration irreparabel stören. Mehr kann hierzu aber, wie schon erwähnt, nicht verraten werden.
Am Ende geht dann tatsächlich alles sehr schnell, für den einen oder anderen vielleicht zu schnell, doch auch dies ist wichtig, um die Situation, in der sich Kristen befindet, adäquat auch auf den Zuschauer zu übertragen, die Erkenntnis, die sie dann erlangt, ist ein Faustschlag mitten ins Gesicht, der erstmal verdaut werden muss – für Kristen, wie auch für uns Zuschauer. Und dann – dies kennzeichnet ja die guten Filme – kommt man zur eigenen Erkenntnis, den Film noch einmal anzusehen, nun unter den Vorzeichen des neuen Wissens.