…denn der altbewährte Weg eines Films während seiner Auswertung über das Kino, zur Leih-DVD, zur Kauf-DVD, zum Pay-TV und schließlich ins Free-TV wird immer stärker attackiert – attackiert vor allen Dingen von den großen Filmstudios aus den USA. Die Gründe sind nachvollziehbar und daher umso mehr berechtigt. Ein Markt, der so oder so – auch ganz ohne Piraterie im Internet – seine Probleme hat, muss nach neuen Erlösmodellen suchen. Denn auch wenn die Umsätze an den Kinokassen kaum oder gar nicht mehr gestiegen sind, bedeutet dies eben gerade nicht, dass niemand mehr bereit ist, Geld für gute Filme auszugeben. Das Geld wird eben nur an anderer Stelle ausgegeben: Die Umsätze von DVDs und das langsam anlaufende Geschäft mit BluRays, welches erst jetzt in Gang kommt, nachdem der Formatstreit zwischen BluRay und HD DVD beendet ist, zeigen doch auf beeindruckende Weise, dass unglaublich viele Menschen trotz der Möglichkeiten im Internet gern bereit sind, noch unglaublichere Mengen an Geld für den Film auszugeben. Das Piraterieargument fällt angesichts der Verkaufszahlen nachgelagerter Auswertungsstufen des Films, also den Stufen, die nach dem Kino folgen, in sich zusammen.
Da ist es nur logisch, dass die Filmindustrie genau dort ansetzen will und die hohen Absatzzahlen weiter für sich ausnutzen will. Da stört die exklusive Erstverwertung im Kino irgendwie. Schade nur, dass man bei aller Aufmerksamkeit auf DVD und VideoOnDemand dann aber das Kino trotzdem nicht so einfach übergehen kann. Denn immerhin werden auch dort, auch wenn es von Seiten der Kinobetreiber nicht immer so klingt, beachtliche Summen erwirtschaftet. Mehr als 26 Billionen US-$ wurden im Jahr 2007 weltweit an den Kinokassen eingenommen – Einnahmen, auf die kein Filmstudio dieser Welt einfach so verzichten will, und dies wissen nicht zuletzt auch die Kinobetreiber. Sie fürchten um ihre Existenz, falls die Filmindustrie tatsächlich wahrmacht, was sie seit längerer Zeit schon laut vordenkt: Filme auch mal zeitgleich zum Kinostart auf DVD zu veröffentlichen, oder gar den Kinostart einer anderen Verwertungsstufe nachordnen. Jegliche Versuche der Filmindustrie, an der Exklusivität der Kinoauswertung zu rütteln, werden mit knallharten Boykotts durch die Kinos kommentiert. Dabei wäre es endlich angebracht, dass auch die Kinos dieser Welt aufwachen, sich im Jahr 2009 herzlich willkommen heißen lassen und den Gegebenheiten anpassen. Denn von einem Ende der Kinos kann unter gar keinen Umständen die Rede sein. Kino muss nur wieder zu dem werden, was es sein sollte: ein unvergleichliches Erlebnis, welches eben nicht im Heimkino nachgeahmt werden kann. Dies mag technisch möglich sein, aber eben nicht emotional. Genau auf diese Stärke sollten sich Kinos allmählich (zurück)besinnen.
Wer mehr über die Filmverwertung erfahren will, und mit welchen Fingerspitzengefühl die großen Studios derzeit schon daran arbeiten, um das klassische Verwertungsmodell neu zu definieren, der sollte den nachfolgend verlinkten Text lesen: Hier gehts zum Text!