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	<title>FilmDenken &#187; Alle Filme</title>
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		<title>Filmkritik: &#8220;Dame, König, As, Spion&#8221;, Bundesstart: 02.02.2012</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 12:49:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Filme]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>

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		<description><![CDATA[Was hat der Film im Vorfeld nicht schon wieder für Gesprächsstoff gesorgt. Die Kritiker überschlagen sich mal wieder mit Lob und kommen aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. In letzter Zeit ist dies jedoch für all diejenigen, die gern ins Kino gehen, weil sie Filme lieben und dennoch keine Kritiker sind, oftmals ein wichtiger [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was hat der Film im Vorfeld nicht schon wieder für Gesprächsstoff gesorgt. Die Kritiker überschlagen sich mal wieder mit Lob und kommen aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. In letzter Zeit ist dies jedoch für all diejenigen, die gern ins Kino gehen, weil sie Filme lieben und dennoch keine Kritiker sind, oftmals ein wichtiger Hinweis darauf, dass sie diesen Film lieber meiden sollten.</p>
<p>Worum gehts denn hier eigentlich: Geheimdienste, Kalter Krieg, Sowjetunion &#8211; Großbritannien und ein wenig USA, fünf hochrangige Spione, gaaanz weit oben im britischen Geheimdienst und einen Maulwurf ebenda. Da wird der wortkarge, aber offensichtlich geniale Agent Smiley beauftragt, den russischen Doppelagenten ausfindig zu machen, und das gelingt natürlich. Happy End, alle glücklich und doch gucken alle von Anfang bis Ende durchweg beträufelt, bekommen kaum zwei Sätze zusammen, sondern antworten auf konkreten Fragen zumeißt mit ausgedehntem Schweigen.</p>
<p>Für den Zuschauer wird dies alsbald langweilig &#8211; nein &#8211; es ist eigentlich von Beginn an langweilig, da ohnehin nie wirklich Spannung aufkommen will. Eine klassisch gestrickte Agentengeschichte, die nur allzu vorhersehbar ist und dennoch nahezu alle Fragen, die der Film in seinem Verlauf so stellt, unbeantwortet lässt. Wer ist Smiley, warum ist er denn der Beste für diesen Job? Keine Ahnung. Was ermittelt er denn da eigentlich die ganze Zeit &#8211; oder besser noch &#8211; ermittelt er überhaupt, oder sitzt er nur in seinem Versteckt rum und wartet darauf, dass noch zehn weitere, kaum durchschaubare Nebencharaktere auf die Leinwand geballert werden? Keine Ahnung. Der Chef des Geheimdienstes &#8220;Circus&#8221; weiß als erster von dem Maulwurf und beauftragt George Smiley, doch woher weiß er das und warum ist er dann für den Rest des Films verschwunden? Keine Ahnung. Was hat die Geschichte des Agenten in Istanbul und seine Liebe zur russischen Agentin, die gern überlaufen will, jedoch verletzt auf einem Schiff nach Odessa verfrachtet wird, mit dem Maulwurf zu tun? Keine Ahnung. Warum &#8211; ACHTUNG SPOILER &#8211; muss ausgerechnet der britischste aller Darsteller in diesem Film den Doppelagenten spielen &#8211; dem nimmt man die Rolle von allen beteiligten Darstellern am wenigsten ab.</p>
<p>Der geneigte Leser merkt schon: &#8220;Dame, König, As, Spion&#8221; ist auch ein Film über Ungereimtheiten. Vielleicht soll der Zuschauer selbst zum Agenten werden und in Erfahrung bringen, was hier eigentlich los ist, denn der Film vermag all dies nicht zu übermitteln. Er fängt, wie gesagt, ganz klassisch &#8211; oder sollte man vielleicht klischee-überladen sagen?! &#8211; an: Ein Agententhriller im 70er-Look. Dann, ebenso erwartbar, wird es erstmal schwierig: Charakter um Charakter, Nebendarsteller um Nebendarsteller wird vorgestellt, doch bei all dem geht der Überblick noch nicht verloren. Zu jedem Charakter wird aber eine neue Geschichte erzählt und man erwartet nun, dass George alsbald sämtliche Fäden und Spuren, die der Film nur so um sich haut, zusammenführt. Aber nichts dergleichen passiert. Jeder Nebenstrang des Films bleibt am Ende schlichtweg unmotiviert repräsentiert, hätte so &#8211; aber eben auch ganz anders erzählt werden können. Und warum George dann am Ende plötzlich weiß, wer der Maulwurf ist, und wieso sein von allen gesuchter Freund und Kollege nach Paris geht, um von dort ein paar Faxe zu versenden, will sich auch dem konzentrierten Zuschauer am Ende des Films nicht erschließen. OK, ist ja nochmal alles gut gegangen, der Maulwurf ist enttarnt. Das Wie und Warum ist an der Stelle dann auch nicht mehr entscheidend &#8211; schließlich braucht der Film dann, in seinen letzten fünf Minuten auch nicht mehr logisch und spannend zu werden.</p>
<p>Ein Trauerspiel von einem Agentenfilm &#8211; dann doch lieber die französischen Originale, etwa &#8220;Le Samurai&#8221;, und bitte: Sparen Sie sich das Geld für diesen Film &#8211; er ist nicht wirklich schlecht, keineswegs:  Die Optik und Atmosphäre stimmt, nur die Geschichte ist schlichtweg unbrauchbar, da es faktisch keine Geschichte gibt &#8211; aber Kino sollte doch der Ort sein, an dem die ganz großen Geschichten erzählt werden&#8230;Nach dem katastrophal langweilig und gescheiterten Verblendungs-Remake von David Fincher ist dies schon der zweite, lang erwartete Film, der dann derart nach hinten losgeht&#8230;Ich warte noch auf das erste große Highlight von 2012.</p>
<p>Erst kürzlich gab es einen recht amüsant zu lesenden Artikel über das Missverhältnis von professionellen Filmkritikern und dem Publikum. Alle Filme, die in einer bestimmten Woche in den US-Kinos anliefen und von den Kritikern mal wieder überdurchschnittlich über den Klee gelobt wurden, vielen beim Publikum allesamt durch. Dagegen feierten genau jene Filme kaum zu erwartende und im Vorfeld überhaupt nicht kalkulierbare Erfolge, denen die Kritiker von Anfang an keine Chancen gaben. Nun muss der Geschmack der Masse nicht immer das Maß der Dinge sein &#8211; wenn die Filmkritik sich aber zunehmend von Ihrem Klientel entfernt, dürfte sie irgendwann obsolet werden. Das Problem, und &#8220;Dame König As Spion&#8221; macht dies mal wieder deutlich: Man schreibt nicht mehr objektiv darüber, was man da gerade tatsächlich im Kino gesehen hat. Kaum einer traut sich noch, klare, deutliche Worte zu einem Film zu finden &#8211; erst recht nicht, wenn dann schon drei renommierte Kritiker positiv über einen Film geschrieben haben. Das Publikum kann mit derartigen Kritiken aber nichts mehr anfangen und liest diese irgendwann dann eben auch nicht mehr. Man sehe sich nur das Missverhältnis zwischen den Profis und den passionierten Filmliebhabern auf Metacritic zu &#8220;Dame König As Spion&#8221; an:</p>
<p><a href="http://www.metacritic.com/movie/tinker-tailor-soldier-spy/critic-reviews">Kritik-Zusammenfassung der Profis</a><br />
<a href="http://www.metacritic.com/movie/tinker-tailor-soldier-spy/user-reviews">Kritik-Zusammenfassung des Publikums</a></p>
<p>Gerade auf der Seite des Publikums spricht man mir aus der Seele:</p>
<p>&#8220;Just saw a screening of Tinker Tailor Soldier Spy. Stunned to read that reviews are good. Wait until real people see this, and not reviewers who are afraid to call this like it is, one of the most confusing and convoluted movies I have ever seen.&#8221;</p>
<p>&#8220;The movie is totally incomprehensible, dull and uninvolving. It jumps forward and backward in time at random, and Gary Oldman does an Alec Guiness impression. I don&#8217;t know what movie the critics saw, but this is a total snooze.&#8221;</p>
<p>Recht habe sie, ich weiß auch nicht, was die Kritiker da für einen Film gesehen haben, gestern abend zur Preview in den Leipziger Passage Kinos lief jedenfalls ein enorm langweiliges, wenig mitreißendes Stückchen Film, mehr nicht!</p>
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		<title>The Ward &#8211; Filmkritik zum Bundesstart am 29.09.2011</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 09:34:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Filme]]></category>
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		<description><![CDATA[John Carpenter´s &#8220;The Ward&#8221; Ist Vorsicht geboten? Lange hat Altmeister Carpenter, nichts mehr von sich hören, oder besser gesagt sehen lassen. Sollte dies dann jetzt wieder nur einer dieser unsäglichen Hollywood-Versuche sein, einen B-Movie mit einem großen Namen als Presenter zu promoten, nur um finanziell nicht völlig unterzugehen? In diesem Falle nicht: Tatsächlich ist &#8220;The [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>John Carpenter´s &#8220;The Ward&#8221;</strong><em></em></p>
<p>Ist Vorsicht geboten? Lange hat Altmeister Carpenter, nichts mehr von sich hören, oder besser gesagt sehen lassen. Sollte dies dann jetzt wieder nur einer dieser unsäglichen Hollywood-Versuche sein, einen B-Movie mit einem großen Namen als Presenter zu promoten, nur um finanziell nicht völlig unterzugehen? In diesem Falle nicht: Tatsächlich ist &#8220;The Ward&#8221; Carpenters erster Langspielfilm seit zehn Jahren und er zeigt, dass er das Genre (welches eigentlich, denn hier regiert der Genremix) wunderbar beherrscht.</p>
<p>Kristen wird vor einem brennenden Haus aufgegriffen und in eine psychiatrische Klinik gebracht. Sie kann sich offenbar an nichts mehr erinnern. Warum hat sie das Haus angezündet, was ist in ihrer Vergangenheit vorgefallen und hat jenen Menschen aus ihr gemacht, der nun in der Psychiatrie gelandet ist. All diese Fragen werden zu Beginn gestellt und erwecken einiges an Erwartungen und Vermutungen beim Zuschauer, doch es kommt, erstaunlicherweise ganz anders.</p>
<p>Schon bald wird klar, dass die Psychatrie irgendetwas zu verbergen hat &#8211; ist Kristen möglicherweise gar die einzige Normale im gesamten Gebäudekomplex. Zunehmend verwirrender und kaum mehr nachvollziehbar sind sämtliche Handlungen und Dialoge nahezu aller Beteiligten im Krankenhaus &#8211; Patienten und Personal wirken befremdlich&#8230;was geht hier vor?</p>
<p>Mehr zu erzählen, wäre dramatisch, denn wie schon gesagt: So abgegriffen und kopiert die gesamte Thematik auch wirkt &#8211; Carpenter schafft es, seinen Plot so zu gestalten, dass man als Zuschauer ebenso verwirrt und ratlos bleibt, wie Kristen in der Anstalt. Gemeinsam muss man sich mit ihr auf den Weg begeben, um das Geheimnis um die Anstalt zu lüften und man entfernt sich dabei von der Antwort immer weiter, als das man ihr näher kommen könnte.</p>
<p>Stylistisch weiß Carpenter einmal mehr sein Können unter Beweis zu stellen. Natürlich ist es das riesige, unheimliche und dunkle Gebäude, welches ebenso als ein wesentlicher Darsteller in &#8220;The Ward&#8221; agiert &#8211; und Carpenter weiß, wie Licht und Kamera eingesetzt werden, um diese schauerliche Atmosphäre von Anfang bis Ende konsequent aufrecht zu erhalten. Zu den Charakteren &#8211; Haupt- und Nebendarsteller &#8211; kann an dieser Stelle nicht viel gesagt werden. Tatsächlich lassen sich einige Kritiken im Netz, wie bspw. diejenige von Filmstarts.de finden, die mangelnde charakterliche Tiefe vermissen und das schwache Script bemängeln. Offenbar hat der Autor jener Kritik den Film dann nicht wirklich verstanden, denn die Darsteller (ausnahmslos alle Darsteller) können gar nicht anders, als ohne wirkliche Profiltiefe auskommen, alles Andere würde die gesamte Narration irreparabel stören. Mehr kann hierzu aber, wie schon erwähnt, nicht verraten werden.</p>
<p>Am Ende geht dann tatsächlich alles sehr schnell, für den einen oder anderen vielleicht zu schnell, doch auch dies ist wichtig, um die Situation, in der sich Kristen befindet, adäquat auch auf den Zuschauer zu übertragen, die Erkenntnis, die sie dann erlangt, ist ein Faustschlag mitten ins Gesicht, der erstmal verdaut werden muss &#8211; für Kristen, wie auch für uns Zuschauer. Und dann &#8211; dies kennzeichnet ja die guten Filme &#8211; kommt man zur eigenen Erkenntnis, den Film noch einmal anzusehen, nun unter den Vorzeichen des neuen Wissens.</p>
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		<title>Wer hat Lust zu denken? Vom bewussten Umgang mit Medien&#8230;</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Apr 2011 14:10:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver</dc:creator>
				<category><![CDATA[DVD]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir hätten möglicherweise weitaus weniger Probleme, wenn wir nur endlich mal anfangen würden, wieder das Gehirn beim Konsum von Medien einzuschalten. Zugegeben: Fernsehen und Zeitungen hätten damit natürlich umso größere Probleme, ist das Ansehen von RTL oder das Lesen der Bildzeitung bei bewusster gleichzeitiger Benutzung des Hirns und sämtlicher zur Verfügung stehender geistiger Fähigkeiten doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir hätten möglicherweise weitaus weniger Probleme, wenn wir nur endlich mal anfangen würden, wieder das Gehirn beim Konsum von Medien einzuschalten. Zugegeben: Fernsehen und Zeitungen hätten damit natürlich umso größere Probleme, ist das Ansehen von RTL oder das Lesen der Bildzeitung bei bewusster gleichzeitiger Benutzung des Hirns und sämtlicher zur Verfügung stehender geistiger Fähigkeiten doch inzwischen eigentlich nicht mehr vorstellbar. Genau hierbei offenbart sich jedoch das Dilemma und die Sorge der Wenigen, die noch beherzt die Existenz ihres Kopfes zur Kenntnis genommen haben und diesen hier und da auch mal einzusetzen versuchen &#8211; sie haben ein schweres Leben. Denn die Medien haben ganze Arbeit geleistet, ihren Nutzern in all den Jahren beizubringen, jegliche geistige Aktivität nach Möglichkeit zu unterlassen &#8211; nur so kann man heute das Senden und Drucken von Informationen (die keine sind) dem Publikum gegen Geld auch noch verkaufen.</p>
<p>Da lese ich gerade wieder, in einer aktuellen Meldung von den enttäuschenden Zahlen von Google. Im ersten Quartal des Jahres 2011 hat Google nach Abzug aller Kosten und Steuern einen Gewinn (!!) von 1,6 Milliarden EUR gemacht, also 1600 Millionen EUR!! Dies bedeutet zugleich eine Steigerung zum Vorjahresquartal von 18 Prozent. Google verdient in nur drei Monaten 1600 Millionen EUR, Geld das übrig ist, schließlich reden wir von Gewinn. Doch die Analysten sind enttäuscht, die BWL-Juppies haben mit mehr gerechnet. Diese Meldung, nicht vom Gewinn, sondern von den enttäuschten Analysten, geht um den Globus und die Aktie des Konzerns sinkt. Vielleicht bin ich auch zu altmodisch, zu romantisch, ich verstehe einen Gewinn, noch dazu einen derart großen als eine äußerst erfreuliche Nachricht. Die Medien käuen dagegen das jämmerliche, realitätsferne Geblabber der 21-jährigen Schnösel an den Börsen nach und Google kommt, nicht dramatisch aber trotzdem, unter die Räder. Es ist also nicht gut für Google, so schlechte Geschäfte zu machen. Und der Medienkonsument nimmt alles mit seiner ihm angelernten Fähigkeit zur Teilnahmslosigkeit so hin und frisst noch ein paar Chips.</p>
<p>Google ist zu weit weg &#8211; mag sein, aber jeder sollte doch mal versuchen, die Nachrichten, die jeden Tag so im Fernsehen und in den großen Schlagzeilen zu lesen sind, kurz zu überdenken. Nicht bloß zuhören, auch mal ganz kurz, vielleicht schon direkt nach der Überschrift das eben Wahrgenommene zu hinterfragen, überlegen, was dieser <em>eine</em> Satz inhaltlich gerade aussagt. Vor Jahren gab es eine neue EU-Vorgabe für den Bau von Autos mit verringertem CO2-Ausstoß. Kurz darauf trat der Pressesprecher der Automobilindustrie Deutschlands vor die Kameras und sagte, wenn diese Pläne umgesetzt werden, kostet das die Autoindustrie 65000 Arbeitsplätze. Mutti und Vati gucken es auf RTL Aktuell und sagen: Blöde EU, die machen uns kaputt, sowas wollen wir nicht. Sollten sie sich nicht vielmehr fragen, was das Bauen von umweltfreundlichen Autos mit Arbeitsplätzen zu tun hat. Vielleicht, so vermutet es in diesem Zusammenhang Volker Pispers, will der Deutsche solche Autos nicht kaufen, getreu dem Motto: &#8220;Also wenn da hinten kein Dreck mehr raus kommt, dann fahr´ ich nicht mehr.&#8221;</p>
<p>Es sei an dieser Stelle eindringlichst jedem, der es bislang noch nicht getan hat, das Programm &#8220;Bis neulich&#8221; von Volker Pispers, dem letzten Grund zur Hoffnung in diesem Land, ans Herz gelegt. Lustig ists, wenn er unsere Kultur beobachtet und humorvoll zusammenfasst, in was für einer deformierten und degenerierten Gesellschaft wir eigentlich leben. Er erklärt die Dinge so, dass auch diejenigen, die schon nicht mehr denken können, denen Politik zu hoch ist und daher alles glauben und so hinnehmen, was im Fernsehen darüber erzählt wird, sie verstehen können. Und letztlich, dies ist insbesondere für einen erwachsenen Umgang mit Medien von Interesse, sind die Themen auch stets reflexive Betrachtungen der Methodik der Massenmedien. Ein Abend mit RTL Aktuell und dem stets betroffen und übertrieben ernst guckenden Anchor Peter Klöppel könnte dann plötzlich wieder sehr unterhaltsam und heiter sein. Wer insbesondere die RTL Abendnachrichten in einem gesunden und bewussten Zustand ansieht, braucht eigentlich keinen Volker Pispers mehr, Nachrichten auf RTL sind schon Kabarett genug. Bis wir alle jedoch soweit sind &#8211; und ich gebe die Hoffnung nicht auf, denn scheinbar werden es immer mehr die der Stimme unseres Landes, Volker Pispers, folgen (Auftritte von ihm sind bereits teilweise bis November 2011 ausverkauft), sollten wir uns die Zeit nehmen, Privatfernsehen zu meiden und lieber Pispers gucken. Wer es schafft, Karten zu bekommen, soll seine Chance nutzen. Alle anderen sind auf 3sat gut beraten oder besorgen sich umgehend die DVD &#8220;Bis neulich&#8221; im gut sortierten Fachgeschäft. Zur Überbrückung gibts ein paar Ausschnitte zum hungrig werden gleich hier. In jedem dieser Beiträge kommt die Sinnlosigkeit unserer Gesellschaft zum Ausdruck, so sinnlos, das man schon wieder darüber lachen kann &#8211; wäre da nicht das Unbehagen, dass dies genau die Probleme sind, die uns Deutsche so beschäftigen und/oder maßgeblich unser Leben bestimmen. Und neben all diesen Problemchen wird zugleich auch deutlich, wie wir all dies &#8211; wie schon gesagt &#8211; widerspruchslos und ohne jegliche Kritik über die Massenmedien absorbieren und vergleichbar mit religiösen Leitmotiven verinnerlichen. Wo leben wir denn eigentlich&#8230;</p>
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		<title>Filmkritik: 127 Hours</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Apr 2011 06:15:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Film startete hierzulande bereits im Februar in den Kinos und ist daher zum jetzigen Zeitpunkt nur noch in einigen wenigen Lichtspielhäusern zu sehen. Wer es bis dato verpasst hat, ins Kino zu gehen, was auf Grund der grandiosen Bilder dieses Films definitiv zu empfehlen ist, muss sich noch bis zum Ende des Jahres gedulden. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Film startete hierzulande bereits im Februar in den Kinos und ist daher zum jetzigen Zeitpunkt nur noch in einigen wenigen Lichtspielhäusern zu sehen. Wer es bis dato verpasst hat, ins Kino zu gehen, was auf Grund der grandiosen Bilder dieses Films definitiv zu empfehlen ist, muss sich noch bis zum Ende des Jahres gedulden. Erst im Dezember ist die Veröffentlichung auf BluRay und DVD angekündigt.</p>
<p>Es ist die wahre Geschichte von Aron Ralston, der bei einer Klettertour durch den Bluejohn Canyon in Utah in eine Situation gerät, die ihn zum Äußersten zwingt, um zu überleben. Er ist eigentlich kein Anfänger, der Canyon ist für sowas wie ein zweites Zuhause. Doch auch der erfahrenste Kletterer ist nicht vor Fehltritten &#8211; oder in diesem Fall Fehlgriffen &#8211; sicher. Aron versucht Halt an einem größeren Felsbrocken zu bekommen, doch dieser kommt in Bewegung und stürzt mit dem Kletterer in die Tiefe. Dabei verkeilt sich der Stein in er engen Felsspalte und klemmt Arons Arm mit ein. Niemand weiß, wo sich Aron befindet, auf Rettung ist in dieser Situation nicht zu hoffen. Anfängliche Versuche, den eingeklemmten Arm, oder den festsitzenden Stein in Bewegung zu bringen, erweisen sich schon bald als hoffnungsloses Unterfangen. Allmählich neigen sich Arons Vorräte dem Ende zu und das Unausweichliche rückt immer näher &#8211; wie weit ist Aron bereit zu gehen, um zu überleben? Sein rechter Arm für sein Leben&#8230;</p>
<p>Filme, in denen wenige oder gar nur ein Schauspieler die ganze Zeit über präsent sind und die gesamte Narration tragen (müssen), gibt es haufenweise. Doch selten ist ein Film derart zentriert und fokussiert auf nur einen Charakter an nur einem, sehr engen, kleinen Handlungsraum. Tom Hanks hat in &#8220;Cast Away&#8221; schon meisterlich diese One-Man-Show umgesetzt, ihm blieb dabei aber immerhin noch eine ganze Insel, die im Film für Abwechslung sorgte. In &#8220;127 Hours&#8221; dagegen bleibt die Kamera nicht nur an Aron, absolut grandios gespielt von James Franco, kleben, sondern auch der Handlungsort gibt dem Zuschauer über weite Teile des Films nicht mehr Sicht frei, als Aron diese, tief unten in der Felsspalte hat. Man hätte den Film auch deutlich dramatischer umsetzen können, hätte neben den verzweifelten Versuchen Arons, wieder frei zukommen, auch eine Aussensicht zeigen können, etwa wie die Eltern sich besorgt auf die Suche machen, man sich auf Arbeit wundert, das Aron nicht erscheint und nicht erreichbar ist. Auf all dies verzichtet der Film jedoch und es tut ihm gut. So verbleibt die Kamera nahezu die gesamte Zeit, mit Ausnahme von einigen Erinnerungssequenzen und Halluzinationen, dort unten bei Aron und Regisseur Danny Boyle leistet fantastische Arbeit, dass die Einzelshow von Darsteller Franco nicht langweilig wird.</p>
<p>Die typische Handschrift von Boyle lässt sich auch in diesem Film überdeutlich wiederfinden. Gleich zu Beginn geht es ebenso rasant los, wie man es zuletzt beim ausnahmsweise mal völlig zu recht mit Preisen überhäuften &#8220;Slumdog Millionaire&#8221; gesehen hat: Dank Splitscreens, die das Auge des Zuschauers zugleich herausfordern und überfordern werden wir mitten hinein geworfen in das Geschehen und angesteckt von der Euphorie Arons, der es kaum erwarten kann, die Weite der Natur auszukosten. Und eben diese Natur ist schließlich, neben Aron, der zweite, heimliche Hauptdarsteller des Films, den Boyle einmal mehr in traumhaften Bildern, die alsbald zu alptraumhaften Bildern, werden einfängt. Und es sind eben jene Bilder, die Boyle immer schon auszeichnen, ganz egal ob im eben schon erwähnten &#8220;Slumdog Millionaire&#8221; oder im unberechtigterweise weit weniger beachteten &#8220;Sunshine&#8221;.</p>
<p>Neben tollen Bildern, die sicherlich auch andere auf die Leinwand hätten zaubern können, schafft es der Regisseur und natürlich sein James Franco, dass es zu keiner Zeit langweilig wird &#8211; und dies obwohl man von Anfang an eigentlich weiß, worauf dies hinausläuft. Doch gerade die Idee, hier nicht mit Umschnitten in die übrige Welt zu schalten, sondern immer bei Aron zu bleiben, macht die Wucht des Films aus. Stets organisiert und professionell kann man mit Ansehen, wie Hunger, Hoffnungslosigkeit und die zunehmende Dehydrierung Aron immer mehr an den Rand seiner Möglichkeiten und in den Wahnsinn treibt &#8211; vielleicht ist es auch dies, was ihn am Ende zum eigentlich Undenkbaren, ungeheuer schmerzlichen Höhepunkt treibt. Das Publikum leidet und hofft somit 90 Minuten mit ihm. Aron dagegen kämpfte 127 Stunden ums Überlebenskampf, bis er sich aus eigener Kraft selbst befreien konnte. Ein kraftvoller, mitreißender Film!</p>
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		<title>&#8220;Alles, was wir geben mussten&#8221; (Never let me go) ist alles, was wir begreifen müssen</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Apr 2011 14:10:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kathy, Ruth und Tommy sind beste Freunde. Gemeinsam wachsen sie in Hailsham auf, auf den ersten Blick ein Internat, dessen Idylle jedoch nur trügerischer Schein ist. Die Kinder, die dort aufwachsen, verstehen sich selbst nicht als Teil der Menschheit &#8211; wie auch, wird ihnen doch von Beginn an, in Einrichtungen wie Hailsham, tagtäglich beigebracht, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kathy, Ruth und Tommy sind beste Freunde. Gemeinsam wachsen sie in Hailsham auf, auf den ersten Blick ein Internat, dessen Idylle jedoch nur trügerischer Schein ist. Die Kinder, die dort aufwachsen, verstehen sich selbst nicht als Teil der Menschheit &#8211; wie auch, wird ihnen doch von Beginn an, in Einrichtungen wie Hailsham, tagtäglich beigebracht, dass sie &#8220;gemacht&#8221; sind, um eines Tages als Organspender zu agieren. Die drei wachsen heran, kommen vom Internat auf einen Bauernhof und laufen mit immer schnelleren Schritten auf das Leben &#8211; und vielmehr auf das Ende dieses Lebens hin, welches ihnen von Anfang an vorher bestimmt war. Auf diesem Weg durchleben die Drei die Freundschaft und Liebe, ebenso wie Eifersucht, Hass und Verrat. Aus innigem Zusammenhalt wird alsbald tiefe Zerstrittenheit&#8230;Und als die Versöhnung naht, ist es doch schon zu spät. Zu kurz ist das Leben&#8230;</p>
<p>Ist es nicht gut zu wissen und zu sehen, dass das Kino noch jene emotionale Kraft haben kann, für die man es einstmals bewunderte? Gerade vor dem aktuellen Hintergrund, da zunehmend 3D die Qualitäten des Kinos auf rein optisch-visuelle Ebenen verlagert und alles andere vernachlässigt wird und &#8211; auch ohne 3D &#8211; Filme, wie &#8220;The Mechanic&#8221; die Sinnlosigkeit amerikanischer Großproduktionen eindrucksvoll zur Schau stellen, wirkt &#8220;Never let me go&#8221;, wie &#8220;Alles, was wir geben mussten&#8221; im Original heißt, wie ein Leuchtturm der Kinematographie.</p>
<p>Es ist zudem sicherlich ein absoluter Glücksgriff, das Mark Romanek die Regie für diesen Film übernommen hat. Er selbst hat Johnny Cash mit der Regie beim Videoclip zum Titel &#8220;Hurt&#8221; noch zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt, dass auch nach dem 50. Ansehen noch zu Tränen rührt. Ganz ohne Rasanz, Verfolgungsjagden und Explosionen schafft es dieser Film von Anfang an, sein Publikum mitzunehmen, gerührt zu sein &#8211; man ist betroffen von all der Traurigkeit und gleichsam der Hoffnung, die dieser Film vermittelt. Von Beginn an weiß man als Zuschauer vom Schicksal der Kinder in Hailsham und merkt nur allzu schnell, worum es in diesem Film eigentlich geht: Es ist nicht das Science-Fiction-Element, das diesem Film lediglich als Grundkonzept für die Handlung dient, hier geht es letztlich um nichts geringeres als das Leben selbst. Und dies betrifft nicht nur die drei Protagonisten des Films in ihrem vorher bestimmten Weg, dies betrifft uns alle. So kommt man nicht umhin, früher oder später während des Films die Gedanken auch um das eigene Leben kreisen zu lassen.</p>
<p>Und letztlich, im rührenden Plädoyer von Kathy am Ende des Films, wird ohnehin deutlich, dass sich jeder angesprochen fühlen sollte. Kathy ist froh und stolz auf das Leben, das sie hatte, auf die Freunde, die sie gefunden hat und die Liebe, die sie erleben durfte. Gleichsam bereut sie die Zeit des Streits mit denen, die ihr am Wichtigsten waren und sind. 10 Jahre hat sie dabei verloren&#8230;Wir alle müssen irgendwann sterben, doch das Leben ist nicht zu kurz, es kommt darauf an, was man daraus macht, solange man die Möglichkeiten dazu hat. So kann und muss man sich nach diesem fabelhaften, eindrucksvollen Film auch selbst wieder daran erinnern, denjenigen, die man liebt und schätzt dies hin und wieder auch mal zu sagen.</p>
<p>&#8220;Alles, was wir geben mussten&#8221; startet am 14. April in den deutschen Kinos.</p>
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		<title>&#8220;Undercover Boss&#8221; &#8211; Deutschland auf dem Weg nach ganz unten</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Apr 2011 10:18:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Derjenige in diesem Land, der noch fähig ist selbst zu denken, insbesondere aber auch beim Gebrauch von Medien aller Art, sei es im Kino, beim Zeitung lesen oder eben beim Fernsehen, durchaus gewillt und fähig ist mitzudenken, macht sowieso einen großen Bogen um Privatsender, allen voran RTL. Dennoch entgeht es auch diesem besorgten Blick all [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Derjenige in diesem Land, der noch fähig ist selbst zu denken, insbesondere aber auch beim Gebrauch von Medien aller Art, sei es im Kino, beim Zeitung lesen oder eben beim Fernsehen, durchaus gewillt und fähig ist mitzudenken, macht sowieso einen großen Bogen um Privatsender, allen voran RTL. Dennoch entgeht es auch diesem besorgten Blick all jener Normaldenkenden nicht, dass RTL jedes Jahr aufs Neue, wenn man meint, schlimmer und dümmlicher geht es nicht mehr, noch einen drauf &#8211; oder sagen wir aus Niveausicht besser drunter &#8211; setzt. Die Verdummung der Massen schreitet unaufhörlich voran und erreicht in diesem Jahr, zugegeben recht frühzeitig, mit der neuen Dokusoap &#8220;Undercover Boss&#8221; einen neuerlichen Tiefpunkt deutscher Fernsehunterhaltung &#8211; so schwer die Verwendung des Begriffs &#8220;Unterhaltung&#8221; an dieser Stelle auch fällt.</p>
<p>Der Chef eines großen Unternehmens, der mit der täglichen Arbeit, die an der Basis seiner Firma verrichtet wird, ungefähr noch soviel zutun hat, wie RTL an der Erzeugung von qualitativ ansprechenden Formaten, begibt sich eben undercover an die Basis um dort selbst aktiv zu werden. Es gehe hierbei natürlich nicht darum, die eigenen Mitarbeiter auszuspionieren &#8211; dies würde dank dieses Formats ja sowieso nicht klappen, denn eine derartige Vorstellung ist schlichtweg paradox und offenbart zugleich das sinn- und zweckfreie Konzept dieser Sendung (aber dazu gleich mehr). Es geht vielmehr darum, das der Chef einen Eindruck darüber gewinnen will, ob und wie die Entscheidungen, die er im kleinen Kreis am Schreibtisch trifft, überhaupt noch umgesetzt werden können. Aha!</p>
<p>Der Plan von RTL ist dabei umso leichter zu durchschauen: Die Wahl der Unternehmen, in denen der Boss undercover als Arbeitsloser einsteigt, der sich bei seiner Jobsuche von einem Fernsehteam filmen lässt (so die Erklärung, die die Mitarbeiter bekommen), macht dies bereits überdeutlich. Da sah man den Chef der Best Western Hotelkette beim Zimmer &#8211; insbesondere beim Klo putzen. Man war zu Gast bei Adco, dem Hersteller und Vermieter von Dixie-Toiletten &#8211; und wieder durfte der Chef anderer Leute Mist wegputzen. Es geht also in erster Linie um Schadenfreude. Und Dumm-Dumm-Deutschland schaut massenweise zu und träumt jeden Montag abend davon, wie erfüllend es doch wäre, wenn der eigene Chef mal die Scheisse anderer Leute wegmachen müsste. Die Bosse der Unternehmen machen dies natürlich &#8211; mehr oder weniger &#8211; gern mit. Denn der prominente Sendeplatz am Montag abend, direkt nach Quotenzugpferd &#8220;Wer wird Millionär?&#8221; um 21.15 Uhr &#8211; also genau dann, wenn RTL bereits mehrere Millionen Menschen sämtlicher Unterschichten und Unter-Unterschichten bei sich versammeln kann, bietet dem netten, smarten Firmenboss doch die beste und noch dazu völlig kostenfreie Gelegenheit, 60 Minuten lang eine Dauerwerbesendung zu Imagezwecken zu präsentieren.</p>
<p>Paradox ist die gesamte Sendung allein schon deshalb, weil der Chef selbst natürlich niemals von eventuellen Problemen, da unten an der Basis, auf diese Weise etwas mitbekommen wird. Jeder Erstsemesterstudent der Medienwissenschaften weiß doch, dass Menschen sich anders verhalten in Anwesenheit einer Kamera. Das war schon immer so und das wird auch immer so bleiben. Schon allein deshalb ist ja auch &#8220;Big Brother&#8221; kein Reality-Format, sondern ein fiktives. Gezeigt wird nicht die Realtität, das Zusammenwohnen von Menschen, sondern gezeigt wird die Realität in der bewussten Anwesenheit der Fernsehkameras. Wer würde sich also in &#8220;Undercover Boss&#8221; dazu hinreißen lassen, vor laufenden Kameras in irgendeiner Art und Weise abwerten vom eigenen Job oder dem Unternehmen zu reden. Selbst wenn man nicht weiß, dass der Boss doch eigentlich direkt daneben steht, wenn man gefilmt wird, so muss man doch davon ausgehen, dass der Boss zumindest am Montag abend zusehen könnte. Wirkliche Basis-Probleme, die die guten Samariter-Manager doch so gern in Erfahrung bringen würden durch ihren selbstlosen Einsatz, lassen sich in dieser Fernsehshow also nicht klären. RTL kann dies nicht wissen. Man benutzt zwar das Medium Fernsehen, weiß aber um dessen mediale Eigenschaften überhaupt nichts. Diese Rolle ist vergleichbar mit jemandem, der intensiv die Konstruktion und den Aufbau eines Flugzeugs studiert. Man hat dann zwar eine sehr genaue Kenntnis darüber, wie ein Flugzeug funktioniert, fliegen kann man es deshalb aber unter gar keinen Umständen.</p>
<p>Abschließend bleibt wieder einmal die Frage, wann RTL bereit ist, sich selbst unter die Lupe zu nehmen. Dies ist schließlich nicht das erste Format dieser Art, dass Unternehmen in Deutschland auf den Zahn zu fühlen versucht. Man denke nur an &#8220;Extra&#8221; mit Birgit Schrowange. Woche für Woche ging es da in erster Linie darum, die Qualität deutscher, zumeist handwerklicher Unternehmen, mit versteckter Kamera zu denunzieren. Schrowange nahm dem geistig entmündigten Publikum vorab schon die Entscheidung zur Schadenfreude ab, da sie selbst diese Schadenfreude schon in den Ankündigungen der nächsten Beiträge überdeutlich zur Schau brachte: &#8220;Dreist, so zocken Fernsehmechaniker sie bei der Reparatur ihres kaputten Fernsehers ab&#8221;; &#8220;Unglaublich, so wird das Gewicht ihres Frischfleischs am Supermarkt mit Wasser aufgepumpt&#8221;. Wie wäre denn mal eine &#8220;Extra&#8221;-Sendung über RTL: &#8220;Wahnsinn, so verblödet RTL seine Zuschauer&#8221;; &#8220;Skandal: DSDS-Werbebeiträge landen als journalistisch wertvolle Einspieler in den Hauptnachrichten des Kölner Privatsenders&#8221;? Wann geht Anke Schäferkordt mal undercover in ihr eigenes Unternehmen und lernt die Leute kennen, die sich diese und andere dümmliche Formate Tag für Tag ausdenken?</p>
<p>Und wann wacht Deutschland endlich mal auf und beginnt, seine Zeit wieder sinnvoller zu nutzen und nicht widerspruchslos jeden Dreck von RTL zum Erfolg zu machen? Es kann doch wahrlich keine Erfüllung nach einem anstrengenden Arbeitstag sein, von RTL eingeladen zu werden zum kollektiven Hirn ausschalten&#8230;Wo soll das alles noch hinführen?</p>
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		<title>The Social Network &#8211; Keine Filmkritik/Ein Denkansatz</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Dec 2010 14:53:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist nun schon eine Weile her, das David Finchers Film über den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg &#8211; &#8220;The Social Network&#8221; &#8211; in den Kinos lief. Und es ist nicht nur der fehlenden Aktualität zu verdanken, dass an dieser Stelle der Film auch nicht dazu herhalten soll, hier rezensiert zu werden. Gut, dass dies nur ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist nun schon eine Weile her, das David Finchers Film über den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg &#8211; &#8220;The Social Network&#8221; &#8211; in den Kinos lief. Und es ist nicht nur der fehlenden Aktualität zu verdanken, dass an dieser Stelle der Film auch nicht dazu herhalten soll, hier rezensiert zu werden. Gut, dass dies nur ein Blog ist, hier gibts keinen Button für &#8220;mir gefällt das&#8221;. Denn wenn der Mann, der es inzwischen in der Time zur Person des Jahres 2010 geschafft hat, wenngleich weitaus mehr Leser online für Assange gestimmt haben, mit seiner Idee inzwischen mehr als eine halbe Milliarde Menschen begeistern kann, dürften eben jener Button an diese Stelle nicht allzu oft angeklickt werden&#8230;Wieso machen sich aber so viele Menschen keine Mühe, nur mal zwei oder drei Minuten über Facebook nachzudenken? 500.000.000 Menschen weltweit vertrauen Zuckerberg tag für tag jede Menge Privates und noch viel größere Mengen Belangloses an. Was für ein selbstloser Samariter muss dieser Zuckerberg doch sein, dass er all die Strapazen, finanziellen Risiken zu Beginn, den Verlust nahezu aller echten Freunde usw. usf. auf sich nimmt, nur damit wir alle immer mehr &#8220;Freunde&#8221; finden?</p>
<p>Eines vorweg: Ich habe keinen Facebook-Account, genau genommen bin ich in keinem sozialen Netzwerk angemeldet, ich twittere noch nicht einmal &#8211; und dennoch, oder gerade deswegen habe ich Freunde. Also Richtige. Dies ist auch der Grund, weshalb sich mir ein Mehrwert eines Dienstes, wie Facebook einfach nicht erschließen will. Bin ich blind, habe ich vielleicht zu wenige Freunde? Nur was bedeutet Freundschaft noch, wenn der Freundeskreis in erster Linie aus einer digital erstellten Liste mit kleinen, unscharfen Profilfotos besteht? Wenn dies Freundschaft ist, dann hat Zuckerberg vermutlich Alles richtig gemacht, denn solche Freunde brauche ich nicht. Gut, hier bin ich vielleicht etwas eigen, unnormal, gesellschaftsfremd, kann nicht mit den Trends gehen. Die Welt wird globaler&#8230;schon gut. Aber wieso sollte ich mein Privatleben derart öffentlich machen?</p>
<p>Da vergeht kaum ein Tag, an dem Datenschützer nicht rumjammern, dass unsere Privatsphäre im Netz zu unsicher sei, das große Firmen sozusagen im Dauereinsatz sind, Informationen über uns zu sammeln und alle Welt jubelt es ihnen im Chor nach. Was wird nicht Woche für Woche auf der Datenkrake Google herumgehackt, selbst ich muss mich nicht selten rechtfertigen, einen Mailaccount bei Google zu nutzen &#8211; und demgegenüber steht dann eben diese halbe Milliarde an Menschen, die ohne darüber nachzudenken, ohne große Sorge und schlechtes Gewissen freiwillig jede kleinste Kleinigkeit Herrn Zuckerberg überantworten! <strong>Wenn Google eine Datenkrake ist, dann ist Facebook der Holocaust des Privatlebens!<br />
</strong><br />
Freundschaft ist nicht mehr das, was sie mal war. Früher zumindest verstand man darunter doch das gesellige Beisammensein, persönliche Hilfe &#8211; in guten wie in schlechten Zeiten zusammenstehen. Was hat Facebook in diesem Zusammenhang dann also noch mit Freundschaft zu tun? Viele meinen, soziale Netzwerke bringen einander näher. Ist das wirklich so? Wirkt Facebook nicht viel eher als Trennung &#8211; getrennt sein von Mensch und Welt? Wo ist das Soziale in einem sozialen Netzwerk. Wo liegt in der Kommunikation zwischen Avataren bei Facebook noch ein Unterschied zu Second Life oder anderen virtuellen Welten? Mit jedem weiteren hinzugeklickten Freund auf Facebook entfernt man sich ein Stück weit mehr aus der uns umgebenden Welt. Facebook ist nicht Teil dieser Welt, Facebook ist eine eigene Welt, ohne Menschen, ohne Freundschaften &#8211; Computer und Internet sind nur die Schnittstelle zwischen beiden Welten. Mark Zuckerberg ist voran gegangen, egomanisch, kaltschnäuzig und soziopathisch, und auf diesem Weg, eine Plattform für Freundschaften zu schaffen hat er nahezu jede echte Freundschaft aus seinem früheren Leben verloren. Viele Nutzer scheinen nun den gleichen Weg beschreiten zu sollen. Soziale Kontakte verkümmern, stattdessen verkriecht man sich, sozusagen ganzjährig, zum zwischenmenschlichen Winterschlaf vor den Monitor, welch´herzliches Ambiente!</p>
<p>Leute wie ich, werden inzwischen nicht mehr dafür belächelt, dem Ganzen nichts Brauchbares abgewinnen zu können &#8211; vielmehr sorgt die Erwähnung, man habe keinen Facebook-Account zu glaubhaftem Entsetzen. Mein eigenes Entsetzen, als ich neugierig angetrieben selbst mal einen Account anlegte, nur um zu sehen, was für so viele Menschen inzwischen so unverzichtbar ist, war jedoch um Welten größer: Ich hatte nach der ersten Anmeldung noch keine Suche nach &#8220;Freunden&#8221; unternommen, hatte zudem mein Profil zu unpersönlich wie nur irgendwie möglich gehalten, hatte in Sachen Wohnort und Geburtsdatum gar falsche Angaben gemacht. Die einzig personalisierte Angabe, die ich gemacht hatte, war meine Emailadresse und dies genügte offenbar schon, damit ich nahezu jeden mir bekannten Email-Kontakt aus meinem näheren Umfeld als Freund vorgeschlagen bekam. Dies mag für den Einen oder Anderen vielleicht absolut toll und einstiegserleichternd sein, ich war und bin jedoch ernsthaft besorgt und beunruhigt. Der Facebook-Account wurde umgehend deaktiviert, wenngleich mir klar ist, dass meine Daten auf alle Zeit bei Herrn Zuckerberg verbleiben werden. Wie dem auch sei, ohne Facebook geht das Leben auch weiter, m.E. sogar viel schöner, persönlicher, freundlicher, herzlicher. Deshalb kann ich auch ruhigen Gewissens behaupten: Ohne Facebook-Anmeldung besteht auf meiner Seite keinerlei Mangel, sondern bei denen, die Facebook nutzen. Ich habe mein Privatleben noch, ich habe meine Freunde noch! Es besteht natürlich wenig Hoffnung, dass die Welt irgendwann dahinter kommt, und feststellt, Facebook war nur Zeitverschwendung, hielt von Nützlichem, Wesentlichem, kurz: vom Leben ab. So wie in Millionen von Haushalten abends nach der Arbeit wie von automatischer Selbstverständlichkeit getrieben der Fernseher angeschaltet wird, ohne darüber nachzudenken, wie man sich nicht der eigenen Aktivität durch Medien berauben lassen könnte, so leistet auch Facebook einen entscheidenden Beitrag dazu, vom eigenen Denken und Nachdenken über das Leben abzulenken. Gut, dass man dann 2000 Freunde bei Facebook hat, mit denen man gemeinschaftlich über nichts mehr Denken muss. Was Neil Postman einstmals über Medien, im Speziellen über das Fernsehen mit seinem Buch <a href="http://www.amazon.de/Wir-am%C3%BCsieren-Tode-Urteilsbildung-Unterhaltungsindustrie/dp/3596242851/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;qid=1292596315&#038;sr=8-1">&#8220;Wir amüsieren uns zu Tode&#8221;</a> zum Ausdruck brachte, lässt sich nun in abgewandelter Form auf Facebook erweitern: Wir vernetzen uns zu Tode.</p>
<p>Goethe sagte mal, man solle jeden Tag wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen. Hieran sollte es doch ein Leichtes sein, anzuschließen, um für sich selbst zu entscheiden, was das Leben an jedem einzelnen Tag etwas angenehmer machen könne. Facebook gehört sicherlich nicht dazu, um das Leben schöner zu machen. Jeder, der Facebook für nützlich und unverzichtbar hält, hat doch irgendwie schon aufgehört zu leben. </p>
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		<pubDate>Fri, 27 Aug 2010 07:30:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver</dc:creator>
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		<description><![CDATA[10 Jahre arbeitet Christopher Nolan nun schon an diesem Film, der seit dem 28.7.2010 nun endlich auch hierzulande in den Kinos gesehen werden kann. Lohnswert ist der Film allemal, Anderes hätte man von einem Regisseur wie Nolan auch nicht erwartet. Weshalb sich aber einige Kritiker und die oftmals unkritischen Forenschreiber derart überschlagen und von einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>10 Jahre arbeitet Christopher Nolan nun schon an diesem Film, der seit dem 28.7.2010 nun endlich auch hierzulande in den Kinos gesehen werden kann. Lohnswert ist der Film allemal, Anderes hätte man von einem Regisseur wie Nolan auch nicht erwartet. Weshalb sich aber einige Kritiker und die oftmals unkritischen Forenschreiber derart überschlagen und von einem Meisterwerk sprechen, mag sich nicht ganz erschließen. Großartig ist dieser Film, wie gesagt, aber auch nicht derart herausragend, wie er mancherorts im Netz bejubelt wird. Gleichsam hat dieser Film natürlich die Eigenheit, gegen nahezu jede Kritik ordentlich gewappnet zu sein.</p>
<p>Dies begann schon auf der Pressevorführung in Berlin, die mit deutscher Pünktlichkeit begann, obwohl etliche Kritiker noch vor der Tür in der Schlange standen. Aber was solls? Dem Film kommt es zugute, handelt er doch massgeblich, um nicht zu sagen ausschließlich, vom Träumen &#8211; er ist selbst nichts anderes als ein Traum, wie das Kino ja sowieso. Und in eben diesem Film wird an einer Stelle bemerkt, dass man sich oftmals nicht an den Anfang eines Traums erinnern kann. Die Kritiker, die an besagtem Mittwoch in Berlin vor der Tür standen, erlebten somit &#8211; sozusagen bei vollem Bewusstsein mit, wie es ist, einen (Kino-)Traum zu erleben, an dessen Anfang man sich beim besten Willen nicht erinnern kann. Abgesehen davon kann man dem Film auch einige Ungereimtheiten, Leichtfertigkeiten und Paradoxien vorwerfen, aber was solls? Träume müssen nicht den Gesetzen unserer Welt entsprechen, sie haben ihre eigenen Regeln, und dies scheint Nolans Traum, ähm Film, vor allen Einwänden zu schützen! Aber nunmal langsam, Schluss mit dem Gequatsche, erstmal aufwachen und Fakten sammeln:</p>
<p>Leonardo Di Caprio spielt Cobb, ein Spezialist in Sachen Industriespionage, nur seine Methoden dafür sind einzigartig. Er stielt die Ideen anderer Menschen in deren Träumen. Nun hat er jedoch genug von diesem Leben, will nach hause zu seinen Kindern und glaubt dies, mit einem letzten Auftrag erreichen zu können. Dieses Mal soll er keine Idee stehlen, sondern im Traum eine Idee, einen Gedanken, dem Opfer &#8220;einpflanzen&#8221;.</p>
<p>Es ist schon faszinierend, wie sich der Film in verschiedene Erzählstränge, die allesamt parallel weiterlaufen und weitererzählt werden, aufteilt. Es gibt Momente, das befinden wir uns über mehrere Minuten in einem Traum, der in einem Traum stattfindet, der in einem Traum stattfindet, usw. Schade nur, dass &#8211; entgegen einiger Kritikermeinungen &#8211; dies alles sehr geradlinig erzählt wird. So verwirrend dies auf den ersten Blick klingen mag, so gut kann man sich letztlich dann doch während des gesamten Films orientieren. Jede Traum- und Unterbewusstseinsebene ist klar und deutlich von den Übrigen getrennt, Nolan nimmt uns die ganze Zeit über mit den klassischen, hinlänglich bekannten filmischen Mitteln an die Hand, damit auch wirklich niemand den Überblick verliert. An die bizarren, beängstigenden Traumwelten eines David Lynch reicht Nolans Traumwelt daher bei Weitem nicht heran. Allein hier hätte man sich mehr erhofft, zumal Nolan mit Following ja bewiesen hat, dass er es besser kann. Vielleicht durfte er bei &#8220;Inception&#8221; doch nicht sämtliche Freiheiten bei Warner genießen und diese eher konventionelle Erzählweise ist ein Zugeständnis des Regisseurs an sein Studio?</p>
<p>Egal, denn wie schon gesagt: Alles, was man dem Film vorwerfen könnte, weist der Film zugleich, dank seiner Traumthematik gekonnt von sich. Und der ganze Rest? Dem ist dann sowieso nichts mehr vorzuwerfen und trotz einiger Ecken und Kanten kann sich auch dieser Nolan-Film durchaus sehen lassen. Zugegeben, die Charaktere des Films sind allesamt nicht wirklich tief gezeichnet, einige Handlungsmomente, wie etwa die Einführung von Ariadne in die Traumwelten, werden etwas zu schnell abgehandelt, als das sie tatsächlich glaubhaft inszeniert zu werden. Aber was ist in einem Traum schon glaubhaft, mit wie vielen Charaktereigenschaften sind die Personen unserer Träume schon ausgestattet &#8211; besser gefragt: an wieviel davon erinnern wir uns am morgen danach noch? Clever gemacht Herr Nolan, so könnte man das stehen lassen.</p>
<p>Nun aber mal zu den Stärken des Films. Die Bilder! Zugegeben, dies ist für einen echten Filmfreund natürlich kein Argument. Eher im Gegenteil. Selbst Nolan ist der Ansicht, dass mit dem zunehmenden Einsatz von Computereffekten das Kino eher etwas verloren, als dazu gewonnen hätte &#8211; und recht hat er. Wo man früher noch aufwändig bauen und Welten erschaffen musste, macht man es sich heute nur allzu leicht und viele Filme &#8211; leider zu viele &#8211; können dieses Schwäche des &#8220;Einfach-gemacht-sein&#8221; einfach nicht von sich weisen. Nolan versucht daher, und dies sieht man seinen Bildern an, so Vieles wie möglich ohne Computer zu machen. Und wenns dann doch mal notwendig ist, dann sieht es dennoch atemberaubend und dennoch nicht zum Selbstzweck verkommen aus. Man denke hierbei nur an die fantastische Sequenz, wenn Ariadne die Strassenzüge von Paris wie ein Blatt Papier übereinanderfaltet. Dennoch: tolle Bilder sind nicht Alles in einem Film. Das Thema ist der eigentlich sehenswerte Teil des neuen Nolan-Films.</p>
<p>Oftmals, leider viel zu oft, stellt man fest, das viele Leute ins Kino gehen, um abzuschalten, sich zu unterhalten und der Meinung sind, dass Filme nichts mit der Welt &#8220;da draussen&#8221; vor dem Kino zutun hätten. Ein grober Fehler. Filme beeinflussen uns viel mehr und schon viel länger, als dies manch einem von uns wohl bewusst ist. Unsere Ängste, und nicht zuletzt unsere Träume, wären sicherlich heute ganz andere, wenn es Filme, wenn es Medien im Allgemeinen nicht gäbe. Auch darum geht es in &#8220;Inception&#8221;. Ist das Kino nicht schon seit seiner Geburt damit beschäftigt, uns Gedanken, Ideen, aber auch Ängste ins Gehirn zu pflanzen. Ein Film, der über das Träumen erzählt, erzählt daher zwangsläufig auch eine Geschichte über sich selbst, über den Film, über Hollywood, die Fabrik der Träume, die Traumfabrik. Und so wird Cobb, der einem mächtigen Industrieerben eine Idee im Traum in den Kopf &#8220;setzen&#8221; soll, letztlich zum Stellvertreter des Kinos, ja des Medium Film.</p>
<p>Wer den Film verstanden hat, wird aus dem Kino gehen und sich die Frage stellen, wieviele Gedanken im Leben man hat, nur weil es das Kino gibt. Keine Kulturwissenschaft zweifelt daran, dass der Mensch nachdem er sich der Fähigkeit Feuer zu machen bemächtigt hat, fortan ein anderer war, als der Mensch ohne Feuer. &#8220;Inception&#8221; ist in dieser Hinsicht vielleicht ein gutes Argument dafür, dass Menschen mit Filmen, andere sind, als Menschen ohne Filme. Jeder, der denkt, er gehe nur ins Kino zur Unterhaltung und käme unbeschadet wieder aus dem Saal heraus, irrt sich gewaltig. Es bleibt doch etwas hängen, oftmals merken wir es nur nicht, wir waren ja doch gerade nur in einem großen, dunklen Raum und haben zwei Stunden mit offenen Augen geträumt&#8230;</p>
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		<title>&#8220;Flash Forward&#8221; &#8211; Für ein Leben nach &#8220;Lost&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 12:10:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ABC strahlt aktuell die definitiv letzte Staffel der Serie &#8220;Lost&#8221; aus, welche weltweit für einiges Aufsehen und Interesse sorgte. Nicht umsonst gibt es ein eigenes Lostpedia-Lexikon, welches in unzähligen Sprachen verfügbar ist und eine leise Vorahnung davon gibt, welch enormes Interesse diese Serie generiert hat. Aber leider, dass dürfte einer Serie wie Lost, die sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ABC strahlt aktuell die definitiv letzte Staffel der Serie &#8220;Lost&#8221; aus, welche weltweit für einiges Aufsehen und Interesse sorgte. Nicht umsonst gibt es ein eigenes <a href="http://lostpedia.wikia.com/wiki/Main_Page">Lostpedia-Lexikon</a>, welches in unzähligen Sprachen verfügbar ist und eine leise Vorahnung davon gibt, welch enormes Interesse diese Serie generiert hat. Aber leider, dass dürfte einer Serie wie Lost, die sich nur allzu ausführlich mit philosophischen Fragen der Zeit befasst, auch klar sein, ist irgendwann auch mal das Ende nah. Und dieses Ende ist nun eben nach 6 Staffeln erreicht, wenngleich das Ende nur auf den Anfang verweist und &#8220;Lost&#8221; ohnehin stets deutlich gemacht hat, dass diese Serie wieder und wieder angesehen werden möchte um daher, in der Wiederholung stets das Neue sichtbar werden zu lassen.</p>
<p>Der US-Haussender &#8211; ABC &#8211; will sich aber verständlicherweise nicht auf Ruhm, Geld und Ansehen, welches Lost eingebracht hat, ausruhen, und schickt, noch während der letzten Lost-Staffel schon die nächste Mystery-Serie ins Rennen, welche seit dieser Woche, auf ProSieben natürlich, auch hierzulande zu sehen ist. Die Rede ist von &#8220;Flash Forward&#8221;. Zugegeben, qualitativ kann die Serie derzeit, insbesondere was Charaktere und Dialoge anbelangt, noch nicht mit &#8220;Lost&#8221; mithalten, möglicherweise entwickelt sich dies aber noch. Immerhin stehen mit Brannon Braga, dem Produzenten der Echtzeitthriller-Serie &#8220;24&#8243; und David S. Goyer, dem Writer von &#8220;The Dark Knight&#8221;, &#8220;Batman Begins&#8221; oder dem schon etwas älteren, aber sehr sehenswerten &#8220;Dark City&#8221;, zwei durchaus namenhafte, etablierte Größen hinter dem Projekt aus den ABC-Studio-Productions. Und für wahre &#8220;Lost&#8221;-Fans gibts mit Sonya Walger (Penny Widmore) immerhin ein bekanntes Gesicht von der Insel zu sehen.</p>
<p>Der Plot ist relativ schnell erläutert. Überall auf der Welt erleiden die Menschen am 8. Oktober 2009 um 11 Uhr Ortszeit (Los Angeles) einen Blackout, welcher exakt 137 Sekunden andauert. Sie fallen dabei jedoch nicht einfach nur in Ohnmacht, sondern erleben in eben jenen 137 Sekunden die Zukunft &#8211; genau genommen den 29. April 2010. Im Mittelpunkt der Handlung steht dabei ein FBI-Büro in L.A., welches die Hintergründe und Ursachen dieses Blackouts herausfinden möchte. Schon bald glaubt man dabei nicht mehr einfach nur ein ein unerklärliches, aber natürliches Phänomen, sondern vermutet eine geplante Tat hinter dem Blackout.</p>
<p>Überaus positiv fällt auf, dass die Serie gleich von Beginn an konsequent eine düstere und beängstigende Atmosphäre aufbaut. Der Blick in die Zukunft ist nicht, wie so oft, Ursprung für Glück, Erfolg und Ruhm. Es geht nicht darum, Lottozahlen und Aktienkurse aus der Zukunft zu kennen und daher reich zu werden. Es geht nicht darum, zukünftige Verbrechen zu vereiteln. Stattdessen regiert das Chaos. Die Welt ist im Ausnahmezustand. Dutzende Tote sind zu beklagen, da Flugzeuge unkontrolliert während des Blackouts abstürzten oder der Strassenverkehr massenhaft zum Erliegen kam und weitere Opfer zu beklagen hat. Schnelle Hilfe und Rettung ist nicht zu erwarten, da jeder &#8211; auch die Polizei, die Feuerwehr und sämtliche Ärzte in den Krankenhäuser mit sich selbst und den Problemen vor Ort schon genug zu tun haben. Und schon bald stellen sich mehr und mehr Menschen die Frage, was man eigentlich nun davon hat, die Zukunft, zumindest diesen einen Tag am 29. April 2010 schon zu kennen. Fluch oder Segen? Während der eine Mann erfährt, dass seine in Afghanistan gefallene Tochter tatsächlich noch am Leben zu sein scheint, muss ein Anderer mit ansehen, wie seine Ehe zugrunde geht. Während der eine sich wünscht, dass seine Sicht in die Zukunft unbedingt in Erfüllung gehen sollte, will der Andere seine Zukunft in jedem Falle ändern.</p>
<p>Wenn man sich, wie hier, derart mit dem Phänomen der Zeit auseinandersetzt, muss man zwangsläufig in Paradoxien landen. Dies ist aber, vergleichbar zu &#8220;Lost&#8221;, die eigentliche Stärke der Serie, welche seine Zuschauer permanent zum Mitdenken animiert und nicht nur unterhalten will. Der FBI-Agent Mark Benford sieht in der Zukunft, wie der Blackout von ihm untersucht wird. Daraufhin beginnt er, angetrieben durch seinen Vorgesetzen, die Ermittlungen schon jetzt, am 8. Oktober aufzunehmen. Gibt es die Ermittlungen also nur, weil er gesehen hat, dass er eben jene Ermittlungen in der Zukunft leiten wird? Aus dieser Schleife gibt es kein logisches Entkommen! Stück für Stück beginnt er, und mit ihm wir, das Mosaik aus verschiedenen Zukunftsvisionen von so vielen Menschen wie nur möglich, zusammenzusetzen.</p>
<p>Als geübter &#8220;Lost&#8221;-Zuschauer gibt es dabei natürlich allerhand zu entdecken. Gleich die erste Episode enthält augenzwinkernde Verweise auf &#8220;Lost&#8221;: In einer Szene observiert Mark mit seinem Kollegen ein paar Verdächtige. Im Hintergrund erkennt man eine Reklametafel für die Airline &#8220;Oceanic&#8221;, jene Fluglinie,die uns seit sechs Jahren mit &#8220;Lost&#8221; begleitet.<br />
<a href="http://www.filmdenken.com/wp-content/uploads/2010/03/ff_01.jpg"><img src="http://www.filmdenken.com/wp-content/uploads/2010/03/ff_01-300x170.jpg" alt="" title="ff_01" width="300" height="170" class="alignnone size-medium wp-image-149" /></a><br />
(Bild anklicken zum Vergrößern)</p>
<p>An anderer Stelle läuft Mark durch die Strassen von L.A., bei genauem Hinsehen erkennt man im Hintergrund einen Bus, welcher für &#8220;Lost&#8221; wirbt. Zumindest sind die beiden sichtbaren Buchstaben &#8220;s&#8221; und &#8220;t&#8221; nicht zu verkennen.<a href="http://www.filmdenken.com/wp-content/uploads/2010/03/lost.jpg"><img src="http://www.filmdenken.com/wp-content/uploads/2010/03/lost-300x168.jpg" alt="" title="lost" width="300" height="168" class="alignnone size-medium wp-image-151" /></a><br />
(Bild anklicken zum Vergrößern)</p>
<p>Auch fernab solcher &#8220;Insider-Gags&#8221; darf man wachsam bleiben, ganz so, wie man es bei &#8220;Lost&#8221; gelernt hat: Verweise auf die Zeit sind allgegenwärtig. So ist unverkennbar das Wort &#8220;timeless&#8221; auf der Zeitung, die Mark während einer Observierung liest, ins Bild gesetzt.<br />
<a href="http://www.filmdenken.com/wp-content/uploads/2010/03/timeless.jpg"><img src="http://www.filmdenken.com/wp-content/uploads/2010/03/timeless-300x168.jpg" alt="" title="timeless" width="300" height="168" class="alignnone size-medium wp-image-152" /></a><br />
(Bild anklicken zum Vergrößern)</p>
<p>An anderer Stelle erkennt man in Hintergrund, dass in einem Theater aktuell &#8220;The Tale Of Attaf&#8221; gespielt wird, ein Kapitel aus &#8220;One Thousand and One Nights&#8221;. Das Kapitel handelt von einer &#8220;self-fulfilling prophecy&#8221;. Ohne jeden Zweifel wird hier schon eine Aussage zur gesamten Thematik innerhalb von &#8220;Flash Forward&#8221; getroffen.<br />
<a href="http://www.filmdenken.com/wp-content/uploads/2010/03/attaf.jpg"><img src="http://www.filmdenken.com/wp-content/uploads/2010/03/attaf-300x168.jpg" alt="" title="attaf" width="300" height="168" class="alignnone size-medium wp-image-150" /></a><br />
(Bild anklicken zum Vergrößern)</p>
<p>Die Zukunft wird als Erinnerung wahrgenommen. Man erinnert sich an Etwas, was erst noch passieren wird, behandelt das Gesehene aber zunehmend auch schon als etwas Vergangenes, das nun Reaktionen in der Gegenwart zeitigt, die doch ihrem Grunde nach irrational sind, da niemand wirklich sicher sagen kann, ob der 29. April tatsächlich so ablaufen wird, es sei denn, man verhält sich nun genau danach. Ereignet sich die Zukunft am 29. April also tatsächlich so, weil dies ohnehin der Lauf der Dinge gewesen wäre, oder ereignet sich jener Tag so, da er vorab in einer Prophezeihung auf diese spezifische Weise &#8220;erlebt&#8221; wurde? Mark verhilft letztlich der Vision dazu, real zu werden. Denn er startet jetzt jene Ermittlungen, welche er gemäß seiner Vision sechs Monate später führen wird. Ohne die Vision hätte er die Ermittlungen am 8. Oktober 2009 nicht aufgenommen und sie wären vielleicht nie aufgenommen worden &#8211; self-fulfilling prophecy.</p>
<p>Immerhin darf man nun, nach dem baldigen Ende von &#8220;Lost&#8221; froh sein, einen offenbar würdigen Ersatz von ABC bekommen zu haben &#8211; eine Serie nämlich, die unser Mitdenken voraussetzt, statt es, wie beispielsweise bei &#8220;Alarm für Cobra 11&#8243; wissentlich und vorsätzlich auszuschalten &#8211; oder um in der Sprache der Bilder zu bleiben, wegzusprengen. Übrigens: Das <a href="http://flashforward.wikia.com/wiki/FlashForward_Wiki">FlashForward-Wiki </a>hat seine Arbeit natürlich schon aufgenommen. Aber Vorsicht: Hier besteht akute Spoiler-Gefahr!</p>
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		<title>Orphan</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 12:11:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Orphan&#8221; ist ein Film, der nicht lange benötigt, um in Fahrt zu kommen. Er beginnt mit mit schaurigen, blutigen Bildern, welche uns unvermittelt in die Situation von Kate und John Coleman werfen. Sie sind die Eltern von Max und Daniel, deren drittes Kind &#8211; Jessica &#8211; noch vor der Geburt starb. Eben jene Eltern, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Orphan&#8221; ist ein Film, der nicht lange benötigt, um in Fahrt zu kommen. Er beginnt mit mit schaurigen, blutigen Bildern, welche uns unvermittelt in die Situation von Kate und John Coleman werfen. Sie sind die Eltern von Max und Daniel, deren drittes Kind &#8211; Jessica &#8211; noch vor der Geburt starb. Eben jene Eltern, die sich offenbar nichts sehnlicher wünschten, als ein weiteres Kind, beschließen nun, ihre Liebe einem Adoptivkind zu schenken. Schnell, vielleicht etwas zu schnell, denn hier hält sich der Film tatsächlich nicht lange auf, finden sie die scheinbar perfekte Esther. Das 9-jährige Mädchen aus Russland, welches seine Eltern bei einem Hausbrand verloren hat, weiß sich gewählt auszudrücken, spielt wunderbar auf dem Klavier, malt wunderschöne Bilder, lernt sogar die Gebärdensprache, da Max, die jüngste Tochter der Colemans, nahezu taub ist&#8230;kurzum: sie ist das Kind, welches fortan bei Kate und John leben soll. Das Tempo des Films lässt es natürlich vermuten &#8211; es dauert nicht lang, da gehen merkwürdige Dinge vor sich. Unfälle ereignen sich, ein Todesopfer ist zu beklagen und jedes Mal scheint die kleine Esther nicht weit vom Tatort entfernt zu sein.</p>
<p>Klingt bis hierhin erstmal leidlich spannend, leidlich innovativ, denn das Thema von bösen, dämonischen Kindern ist wohl fast so alt, wie das Genre des Horrorfilms selbst. Man denkt sofort an Filme wie &#8220;Das Omen&#8221;, &#8220;The Children&#8221;, oder &#8220;Whisper&#8221; und fragt sich durchaus berechtigt: Was kann &#8220;Orphan&#8221; dieser Thematik noch hinzufügen? Durchaus Einiges! So entfaltet sich &#8220;Orphan&#8221; als durchaus doppelbödiger Film, der eher als Thriller durchgehen muss und weniger als Horrorfilm. Überdies wird am Ende, welches hier natürlich nicht verraten wird, deutlich, dass dieser Film schlussendlich kaum noch etwas mit den genannten Horrorfilmen zutun hat. Und genau dies ist auch sein Thema: Anders sein, Akzente setzen, sich selbst Absetzen. Ein scheinheiliger Film!</p>
<p>&#8220;Orphan&#8221; weiß um seine Wahrnehmung als Horrorfilm, der er vordergründig sein soll und spielt gekonnt mit unser aller Konditionierung beim Filme sehen. Er weiß um seine Genrezugehörigkeit und überschreitet &#8211; besser gesagt: unterschreitet &#8211; konsequent das ihm anhaftende Genre. Es ist eine wahre Freude, wie dieser Film permanent seine Spannung aufbaut und den nächsten Schocker wieder und wieder erwartbar macht, nur um den erwarteten Schrecken dann, ganz konsequent, ausfallen zu lassen. Dieses Anders-Sein des Films reflektiert sich schon in den Personen: Kate ist trockene Alkoholikerin, die vor allen Dingen wegen ihrer Kinder aufgehört hat zu trinken &#8211; beinahe wäre Max ihretwegen umgekommen. Nach Außen hin wahrt sie jedoch den Schein der fürsorglichen Mutter, die sie tatsächlich auch ist &#8211; jedoch eben nicht ohne dieses Problem, welches so gut es geht verborgen bleiben soll. Als das Ehepaar Esther zum ersten Mal im Waisenhaus besucht, feiern alle Kinder eine Geburtstagsparty, nur Esther sitzt allein vor ihrer Staffelei und malt. Darauf angesprochen sagt sie nur: &#8220;Ich schätze ich bin eben anders.&#8221; Und Kate reagiert: &#8220;Ich finds nicht schlimm, anders zu sein&#8221;</p>
<p>Ähnlich arbeitet sich nun dieser Film durch das Horrorgenre. Einmal sieht man Kate im Bad, wie sie den Spiegelschrank öffnet. Die Art und Weise, wie der Spiegel hier thematisiert wird, ruft uns wach. Wir ahnen schon, was gleich passieren wird: Wenn sie den Schrank wieder schliesst, wird plötzlich jemand hinter Kate stehend, im Spiegel zu sehen sein und sie &#8211; wie uns gleichermaßen &#8211; erschrecken. Doch dazu kommt es nicht. Der Film verweigert uns diesen Schrecken und vermag uns dabei in gewisser Weise zu erschrecken. Wenn wir uns bei einem Horrorfilm nicht mehr darauf verlassen können, erschreckt zu werden, wenn wir das Unerwartete nicht mehr erwarten können, dann sind unsere Sehgewohnheiten auf den Kopf gestellt &#8211; und dies ist, gerade in diesem Film, sehr schrecklich! Später steht Kate vor dem Kühlschrank und öffnet dessen Tür. Wir können nicht mehr sehen, was sich im hinteren Teil der Küche abspielt, da die offene Tür die Sicht versperrt. Die Musik hebt an und lässt die heimelige Atmosphäre ins Düstere, Umheimliche abdriften. Gleich wird sie die Tür schließen und jemand oder etwas, was dahinter bis jetzt noch unsichtbar war, wird sichbar werden und uns erschrecken &#8211; doch Nichts der gleichen passiert. Es bleibt die heimelige Küche. Alles ist an seinem Platz. &#8220;Orphan&#8221; ist eben anders. Es ist kein Horrorfilm, und daher kommen wir mit unserer Art und Weise, Filme aus diesem Genre zu gucken, auf bestimmte Reize zu reagieren, nicht mehr weit.</p>
<p>Wer Esther nun ist, kann hier nicht beantwortet werden, denn diese Antwort legt zugleich das Wesen des Films selbst frei. Esthers Bilder sind ein weiterer Anhaltspunkt für das Anders-Sein. Oberflächlich betrachtet sehen wir Blumen, Tiere &#8211; die heile Welt. Aber eines Nachts, als John im Zimmer das Licht ausmacht und nur noch die Schwarzlichtlampe aus dem Aquarium eingeschaltet ist, offenbaren die Bilder ihr wahres Gesicht: hässliche Fratzen, Blut, Tot&#8230;die Bilder sind ein Lichtspiel, die erst unter UV-Licht ihr Wesen zeigen. Ein Lichtspiel, wie der Film selbst, der erst noch ins rechte Licht gerückt werden muss. Man darf seinen Augen nicht mehr trauen &#8211; oder wie die Psychologin im Film, auch den Ohren nicht mehr (denn völlig richtig erkennt Kate ja, dass Esther der Psychologin nur das erzählt, was diese gern hören möchte).</p>
<p>Alles, was wir sehen und hören, ist tatsächlich nicht das, was es ist. Unsere Sinne sind nur hinreichend gut genug, um das Wahre zu erkennen. Was die Philosophie uns redlich bemüht immer schon sagen will, vermag dieser Film auf interessante Weise anschaulich zu zeigen. Es gibt sie nicht, die einmalige, von jedem beobachtbare Welt da draussen, die Realität. Es gibt nur ein Wahrnehmungsgeflecht, welches je verschieden, ganz subjektiv wahrnehmbar ist und &#8220;Welt&#8221; niemals ganz erfassen kann&#8230; Das Waisenhaus ist eine Psychiatrie, die Unfälle sind geplante Attacken und die kleine Esther ist tatsächlich&#8230;<br />
&#8220;Orphan&#8221; ist trotz bekannter Thematik ein völlig anderer Film, als man es nur durch den groben Inhalt erahnen könnte. Und genau mit diesen Ahnungen, Erwartungen, Konditionierungen spielt dieser Film vorzüglich. </p>
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