Lost. Auf der Suche nach der verloren gegangenen Zeit

Im Februar 2004 wurde das Genre der Mysterie-Serie grundlegend revolutioniert. Die Serie “Lost” wurde am 22. Februar 2004 erstmalig auf dem produzierenden US-Fernsehsender abc ausgestrahlt. Die deutsche Fernsehpremiere folgte im Herbst des selben Jahres auf ProSieben. Inzwischen läuft die fünfte von insgesamt sechs Staffeln auch hierzulande, wenngleich zunächst “nur” im Pay-TV auf FOX.

Es macht wenig Sinn, an dieser Stelle auch nur ansatzweise den Versuch zu unternehmen, die Serie hier vorzustellen oder Unkundigen auf irgendeine Art und Weise näher zu bringen. Wer “Lost” bislang nicht kennt, oder aber kennt, jedoch kein Interesse dafür aufbringen kann, der wird dies auch nicht auf Grund von ein paar Zeilen dieser Webseite ändern. Dennoch gibt es aber diesen Beitrag zu “Lost”. Einer von Vielen, will man meinen. Warum macht sich eine Webseite und der Autor dahinter aber die Mühe, kurz vor dem Finale der Staffel im Jahr 2010, einen weiteren Beitrag zu “Lost” zu schreiben? Es gibt doch tausende von Seiten in nahezu allen Sprachen, die sich mit dem Phänomen “Lost” befassen. RICHTIG, aber…

…schnell wird auch klar, dass sich all diese Seiten, Blog, Foren und was es sonst noch so an mitteilunsgbedürftigen Adressen gibt, eher Rätselraten betreiben, anstatt sich mit dem zu befassen, was man tatsächlich seit 2004, Staffel für Staffel zu sehen und zu hören bekommt. Tatsächlich ist es so, dass das Niveau amerikanischer Fernsehserien, ganz gleich ob “Lost”, “Medium”, “The Sopranos”, “24″, “Gilmore Girls”, “Dr. House”, “CSI Miami”, “Alias”, “Monk” und die vielen anderen Beiträge, eine Qualität erreicht hat, wie man sie schon lange, oder gar noch nie gesehen hat. Insbesondere “Lost” bietet dabei eine Vielzahl medienrelevanter und vor allen Dingen philosophischer Ansätze, die – bei genauerer Betrachtung, zeigen, wie präzise und wohldurchdacht die Macher der Serie dieses Juwel einer zeitgenössischen Fernsehserie konstruiert haben. Allein die Verweise, die sich dank der Namensgebung der Hauptdarsteller auftun – beispielsweise John Locke oder David Hume – zeigt schon, dass ein philosphisches Weiterdenken von “Lost” keine fixe Idee einiger Geisteswissenschaftler ist, sondern von den Machern der Serie durchaus intendiert ist. Nicht umsonst wählt man Namen, wie die eben genannten für tragenden Rollen der Serie einfach aus.

Die nachfolgend verlinkte Arbeit verfolgt eben diese Spuren und kann dabei wesentlich greifbarer das Wesen der Serie erfassen, als dies die vielen, eher abgedrehten Theorien der einschlägigen Foren zu leisten vermögen. Beim Lesen ist jedoch Vorsicht geboten. Einiges, zum Wesen der Zeit benanntes, übersteigt zuweilen das Vorstellbare des menschliches Geistes. Gerade deshalb ist es aber auch so reizvoll, es dennoch versuchen zu denken.
Hier gehts zur “Lost”-Untersuchung.

Ein Haus aus Sand und sein Film aus Zeit

Brasilianische Filme sind hierzulande kaum bekannt. Der ganze Stolz der brasilianischen Filmwelt – “City of God” – ist vielleicht der einzige Film aus Brasilien, der weltweit, so auch in Deutschland, ein nennenswertes Publikum gefunden hat. Gleichsam ist dies dann aber auch wieder die Art von Film, die im eigenen Land kritisiert wird. Ivana Bentes etwa wirft dem Film eine transnationale Ästhetik vor – ökonomische Verwertbarkeit weltweit, die die Ästhetik des brasilianischen Films, geprägt etwa durch Glauber Rocha und das von ihm mitbegründete Cinema Novo, mit Füßen tritt. Doch ist Bentes, wie auch die anderen Kritiker des zeitgenössischen brasilianischen Films nicht etwas vorschnell und tut dem aktuellen Filmgeschehen des Landes Unrecht an?

Zweifelsfrei ja, denn ein konzentrierter Blick auf den brasilianischen Film von heute gibt nach wie vor die Sicht auf eine ganz eigene, landesspezifische Ästhetik frei, die man in dieser Art tatsächlich nur im brasilianischen Film vorfinden kann. Exemplarisch soll hier der Film “Casa de Areia” (Haus aus Sand) von Andrucha Waddington benannt werden – ein Film der auf wundervolle Weise Brasilien zu repräsentieren weiß, das Verhältnis des Menschen zur Natur und in seiner Eigenart ein auch heute noch unberührtes, gewissermaßen un-kolonialisiertes Brasilien zu zeigen vermag.

Eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Film “Casa de Areia” finden Sie unter HIER

A Tale Of Cinema – Eine Kinogeschichte

Am 7.5.09 zeigt arte um 23.55 Uhr den Film “A Tale Of Cinema” des koreanischen Regisseurs Hong Sang-soo. Ein Film, der auf wunderbare Weise über sich selbst – über das Medium Film also – aber auch über die Wechselwirkung von Film und Wirklichkeit nachdenkt. Der Student Sangwon will sich selbst umbringen. Doch dann trifft er eine alte Freundin wieder. Sie will ihn jedoch nicht von seinem Vorhaben abbringen – ganz im Gegenteil – sie will ihn in den Tod begleiten. Dann kommt Tongsu, ein eher unglücklicher Regisseur aus dem Kino und trifft auf die Freundin Sangwons. Er glaubt in ihr, eine Schauspielerin erkannt zu haben und folgt der jungen Frau.

Einzelne Episoden machen das große Thema und all die Zusammenhänge des fragmentarisch Gezeigten erst nach und nach sichtbar. Zweifelfrei bleibt die Handlung jedoch zweideutig. Konzentriertes Ansehen wird jedoch belohnt mit einem kunstvollen, poetischen Film über Realität und Fiktion, Spiegelungen, Differenz und Wiederholung.

arte zeigt den Film im Originalton mit deutschen Untertiteln.

VisdP: Oliver Tege, Bockstr. 9, 99423 Weimar

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FilmDenken

Was heißt denn hier FilmDenken? Meint dies ein menschliches Nachdenken über das Medium Film, so wie es tagtäglich tausendfach in all den Foren, Webblogs und Filmseiten des Internets praktiziert wird? Sicherlich auch, aber nicht nur! Natürlich geht es nicht ohne den Menschen, tatsächlich ist auch dieser Text hier von Menschenhand geschrieben, wohldurchdacht und in seinem Gerichtet sein auf den Film wohl auch schon ein FilmDenken, jene Disziplin, die diese Webseite zum Thema macht. Was ist denn aber sonst noch FilmDenken, wenn es nicht nur der Mensch ist, der über Filme nachdenkt und das Gedachte, wie hier beispielsweise, niederschreibt?

Die Antwort ist simpel und schwierig zugleich: Es sind die Filme die Denken und es ist überdies das Denken der Filme, welches im Kino, auf DVD, im Fernsehen – kurz – überall wo Filme zu sehen sind, beobachtet werden kann. Die äußerst schwierige Frage danach, was denn eigentlich ein guter Film sei, müsste eigentlich gar nicht so schwierig sein, wollte man sich damit zufrieden geben, dass Geschmack bekanntermaßen verschieden ist und daher jeder für sich selbst entscheiden könne, wann ein guter Film ein guter Film ist. Nun wird es aber tatsächlich ein wenig komplizierter. Wenn ich auf dieser Webseite fortan gute Filme vorstelle, weil mir diese gefallen und sie daher, auf Grund meiner persönlichen Vorlieben, von mir hier als gute Filme beschrieben werden, welches Kraft hat dann diese Aussage im Sinne einer Allgemeingültigkeit, entspringt sie doch einzig und allein ganz subjektiven Präferenzen? Die Seite wäre wertlos, wollte man gute Filme allein daran bemessen. Was sind dann aber gute Filme?

Vielleicht sind es die Filme, die von vielen Menschen gesehen werden. “Transformers” von Michael Bay zum Beispiel: Die Produktionskosten liegen laut the-numbers.com bei 151 Mio. US-$. Eingespielt hat der Film zuweilen – ohne DVD-Verkäufe – über 700 Mio. US-$. Das muss ein guter Film sein, soviele Zuschauer können doch schließlich nicht irren. Aber ist “Transformers” ein guter Film? Dann ist “Mullholland Drive” folglich kein guter Film: Kosten von 15 Mio. US-$ stehen Einnahmen von etwas mehr als 11 Mio. US-$ gegenüber. Wer schon einmal einen guten Film gesehen hat, wird bemerkt haben, dass ökonomische Faktoren keine zuverlässige Quelle zur Beurteilung der Güte von Filmen sind, denn “Transformers” ist kein guter Film. Es ist genau genommen noch nicht mal ein Film, es ist eine gut gemachte Computeranimation, die so tut als sei sie Film. Wir sind wieder am Anfang: Was ist denn nun ein guter Film?

Die Antwort: Die Filme selbst bestimmen darüber, wann ein Film ein guter Film ist. Ihr wechselseitiges andauerndes Verweisen untereinander, ihr Zitieren, ihr Selbstreflexivwerden – all dies hat im Laufe der Jahre einige Filme und mit ihnen Attribute herauskristallisieren können, die uns Hilfmittel an die Hand geben, um gute Filme erkennen zu können. FilmDenken.com will diese Suche nach immer neuen guten Filmen weiter vorantreiben. Filme, die sich selbst als Film begreifen und als solche erfahrbar machen; Filme, die in diesem unüberschaubaren Medienreferenzsystem, welches der Film nun einmal ist, die Zeit überdauern, gilt es aufzuspüren und näher zu erkunden. Dann erst, wenn man dieses den Filmen inhärente Denken über sich selbst erkannt hat, kann das menschliche Nachdenken über das filmische Nachdenken einsetzen. Was hier betrieben wird, ist demnach schon ein nachrangiges Denken über den Film, ein Denken zweiter Ordnung, wenn man so will. Denn Filme denken auch ohne uns, immer schon und immer noch und, vor allen Dingen, immer weiter und weiter und weiter…

…Kino kann so schön sein…

ot